Carl Einstein
Carl Einstein (1885 – 1940)Das Wunder ist eine Frage des Trainings.
Carl Einstein (eigentlich Karl Einstein; Pseudonyme Sabine Ree, Urian), geboren am 26. April 1885 in Neuwied, gestorben Anfang Juli 1940 bei Pau in den Pyrenäen, war ein deutscher Schriftsteller und Kunsthistoriker. Er zählt zu den Wegbereitern der expressionistischen Prosa und nahm als einer der ersten die Kunst Afrikas als eigenständige ästhetische Leistung ernst.
Er wuchs als Sohn des Leiters des israelitischen Lehrerseminars in Karlsruhe auf, ging 1904 nach Berlin, hörte bei Georg Simmel und brach das Studium 1908 ab. Eine Parisreise 1907 brachte ihn in Kontakt mit Picasso, Braque und Juan Gris; der Kubismus wurde zum Maßstab seines Denkens über Kunst.
Mit „Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders“ (1912), einem Roman ohne Handlung im herkömmlichen Sinn, lieferte er ein Gründungsdokument der „absoluten Prosa“ und wurde zum ständigen Autor von Franz Pfemferts Zeitschrift „Die Aktion“. Als Kriegsfreiwilliger verwundet, kam er in die deutsche Zivilverwaltung nach Brüssel, wo ihm das Kongo-Museum in Tervuren offenstand; „Negerplastik“ (1915) und „Afrikanische Plastik“ (1921) waren die Frucht dieser Jahre. Im November 1918 gehörte er dem Brüsseler Soldatenrat an.
In der Weimarer Republik stand Einstein der radikalen Linken nahe; sein Drama „Die schlimme Botschaft“ (1921) trug ihm 1922 einen Prozess wegen Gotteslästerung ein. Die Sammlung „Afrikanische Legenden“ (1925) übertrug Mythen und Erzählungen afrikanischer Völker in eine knappe, bildhafte Prosa. Mit „Die Kunst des 20. Jahrhunderts“ (1926), dem ersten Überblick über die Moderne in der Propyläen-Kunstgeschichte, erreichte er ein breites Publikum.
1928 übersiedelte er nach Paris und gründete mit Georges Bataille die Zeitschrift „Documents“. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte er in der anarchistischen Kolonne Durruti an der Aragonfront. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich 1940 interniert und wieder freigelassen, nahm er sich, ohne Fluchtweg und ohne Hoffnung, in den Pyrenäen das Leben.
Nach Jahrzehnten des Vergessens wurde Einstein in den 1960er Jahren wiederentdeckt; die aus dem Nachlass edierte „Fabrikation der Fiktionen“ (1973) und die 1984 gegründete Carl-Einstein-Gesellschaft haben ihn als Theoretiker der Avantgarde und als Prosaisten neu ins Bewusstsein gerückt.
Bild: Anita Rée (Gemälde), Foto ArishG, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Werke:
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Carl Einstein
Deutsch
02.07.2015
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