Zulu-Ebooks vereint digitale Bibliothek und Magazin: Wir veröffentlichen gemeinfreie Klassiker ebenso wie neue Werke von Selfpublishing-Autorinnen und -Autoren. Im Zulu Magazin öffnen wir die Türen zu literarischen Welten, erzählen von vergessenen Stimmen und bieten Essays, Porträts und Hintergründe zu Literatur, Kultur und Geschichte. Unser Ziel ist es, das Lesen neu zu inspirieren und den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart lebendig zu halten.
150 Jahre Rilke – Der Dichter, der arbeiten lernte
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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Donnerstag, 04. Dezember 2025
„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“ Kaum ein deutscher Vers wird so oft zitiert wie dieser, meist im Oktober, meist ohne den Rest des Gedichts. Rilke schrieb ihn 1902 in Paris, 26 Jahre alt, gerade angekommen, um ein Buch über den Bildhauer Auguste Rodin zu schreiben. Was er in Paris lernte, hat seine Dichtung verändert – und die deutsche Lyrik gleich mit.Rainer Maria Rilke wurde am 4. Dezember 1875 in Prag geboren und starb am 29. Dezember 1926 in der Schweiz. 150 Jahre nach seiner Geburt ist er der meistzitierte Lyriker der Sprache und einer der am wenigsten gelesenen über die bekannten Gedichte hinaus. Bei Zulu liegt er in drei Ausgaben vor: die Erzählungen, der einzige Roman, die Gedichte.
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175 Jahre Stevenson – Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste
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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Donnerstag, 13. November 2025
„Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste, Jo-ho-ho und die Pulle voll Rum!“ Den Vers hat Robert Louis Stevenson erfunden, 1881, an einem Regentag in Schottland, für einen Jungen, der sich langweilte. Zusammen mit der Augenklappe, dem Papagei, dem Holzbein und der Schatzkarte, auf der ein X die Stelle markiert. Alles, was wir über Piraten zu wissen glauben, hat ein kranker Schotte sich ausgedacht, der nie einen gesehen hatte.Stevenson wurde am 13. November 1850 in Edinburgh geboren, Sohn einer Leuchtturmbauer-Dynastie, und starb am 3. Dezember 1894 auf Samoa, 44 Jahre alt. Zum 175. Geburtstag lohnt der Blick auf einen Autor, der zwei Dinge erfunden hat, die heute jeder kennt und kaum jemand ihm zuschreibt: den Piraten – und den Menschen, der nachts ein anderer wird. Bei Zulu liegen vier seiner Bücher vor.
Der Heilige Hubertus – Der Jäger, der den Hirsch sah
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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Montag, 03. November 2025
„Die Gemsjagd! – Welchen eigenen Zauber nur das Wort allein auf mich ausübt!“ So beginnt Friedrich Gerstäcker 1857 sein Buch über die Jagd in den Tiroler Bergen, und so ungefähr klingt es, wenn am 3. November, dem Hubertustag, in Österreich und Bayern die Jagdhörner in den Kirchen spielen. Über manchem Altar hängt dann der Hirsch mit dem Kreuz im Geweih. Die Legende dahinter ist eine der schönsten des Mittelalters – und sie handelt weniger vom Jagen als vom Aufhören.Hubertus, ein fränkischer Adliger des 7. Jahrhunderts, reitet an einem Karfreitag zur Jagd, während die anderen in der Kirche sind. Im Wald der Ardennen stellt er einen Hirsch, und zwischen dessen Geweihstangen leuchtet ein Kreuz. Eine Stimme fragt: „Hubertus, warum jagst du mich?“ Der Jäger fällt auf die Knie, gibt Besitz und Rang auf, wird Schüler des Bischofs Lambert von Maastricht, später selbst Bischof von Lüttich, und stirbt 727.
Nachts, wenn die Klassiker erwachen – Halloween bei Zulu-Ebooks
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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Donnerstag, 23. Oktober 2025
Ein Reiter auf einem nordfriesischen Deich, Oktober, Sturm. Etwas fährt lautlos an ihm vorbei – ein Schimmel, ein fliegender Mantel, dann nichts. Im Wirtshaus erzählt er es, und das Gespräch verstummt: „Der Schimmelreiter!“ So beginnt Theodor Storms letzte Novelle, 1888, und so beginnt bei Zulu die Jahreszeit, in der die Literatur ihre Schattenseite zeigt.Halloween ist bei uns ein importiertes Fest. „All Hallows’ Eve“, der Vorabend von Allerheiligen, galt in Irland als die Nacht, in der die Grenze zwischen den Welten durchlässig wird; irische Auswanderer brachten den Brauch nach Amerika, wo aus Rüben Kürbisse wurden. Aber die Geschichten, die dazu passen, sind alt – und viele von ihnen deutsch.
Oscar Wilde – Die Rückkehr einer Bibliothekskarte
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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Samstag, 18. Oktober 2025
„Die Wahrheit ist selten klar und niemals einfach. Unser modernes Leben wäre sehr langweilig, wenn es anders wäre, und die moderne Literatur wäre ganz unmöglich.“ Das sagt Algernon im ersten Akt von „Ernst sein ist alles“, 1895, und wenige Wochen nach der Premiere war die Wahrheit über Oscar Wilde vor Gericht sehr einfach: zwei Jahre Zuchthaus wegen „grober Unzucht“. Das British Museum, dessen Lesesaal er seit seiner Studienzeit benutzte, entzog ihm die Leserkarte.130 Jahre später hat er sie zurückbekommen. Im Oktober 2025 überreichte die British Library seinem Enkel Merlin Holland einen neuen Leseausweis – eine späte, symbolische Geste. Wilde starb 1900 mit 46 Jahren verarmt in Paris. Sein Werk ist seit Langem gemeinfrei, und bei Zulu liegt das Wichtigste davon in deutscher Übersetzung.