Zulu Ebooks

Zulu-Ebooks vereint digitale Bibliothek und Magazin: Wir veröffentlichen gemeinfreie Klassiker ebenso wie neue Werke von Selfpublishing-Autorinnen und -Autoren. Im Zulu Magazin öffnen wir die Türen zu literarischen Welten, erzählen von vergessenen Stimmen und bieten Essays, Porträts und Hintergründe zu Literatur, Kultur und Geschichte. Unser Ziel ist es, das Lesen neu zu inspirieren und den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart lebendig zu halten.

Erich Mühsam – Zusehen, wie ein Anarchist entsteht

Peter Hille am Schreibtisch und der junge Erich Mühsam mit Mütze und Zigarette, Fotografie vor 1904Das erste Buch ist drei Männern gewidmet: „dem betenden Skeptiker Gustav Landauer, dem lieblosen Schwärmer Paul Scheerbart und dem fidelen Tragöden Erich Mühsam“. Der Dritte ist der Verfasser selbst. Wer sich so vorstellt, nimmt sich ernst und lacht gleichzeitig darüber – und genau in dieser Haltung stehen die rund zweihundert Gedichte, die Erich Mühsam 1914 bei Paul Cassirer in Berlin als „Wüste – Krater – Wolken“ herausbrachte. Seit dieser Woche liegt der Band bei Zulu, als Edition Zulu-Ebooks.com von A.B., nach der Erstausgabe gesetzt und exklusiv für Zulu erstellt.

Mühsam ist heute vor allem als politische Figur bekannt: Anarchist, Mitstreiter Landauers, 1919 in der Münchner Räterepublik, danach fünf Jahre Festungshaft, 1934 im KZ Oranienburg ermordet. Dieses Buch ist der Dichter vor alldem. Es versammelt, was er zwischen seinem zwanzigsten und seinem fünfunddreißigsten Jahr geschrieben hat, von ihm selbst in drei Bücher geordnet. Das Foto zeigt ihn als jungen Mann neben Peter Hille, dem Berliner Bohemien, dessen Gedächtnis der ganze Band gewidmet ist.

150 Jahre Rilke – Der Dichter, der arbeiten lernte

Rainer Maria Rilke„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“ Kaum ein deutscher Vers wird so oft zitiert wie dieser, meist im Oktober, meist ohne den Rest des Gedichts. Rilke schrieb ihn 1902 in Paris, 26 Jahre alt, gerade angekommen, um ein Buch über den Bildhauer Auguste Rodin zu schreiben. Was er in Paris lernte, hat seine Dichtung verändert – und die deutsche Lyrik gleich mit.

Rainer Maria Rilke wurde am 4. Dezember 1875 in Prag geboren und starb am 29. Dezember 1926 in der Schweiz. 150 Jahre nach seiner Geburt ist er der meistzitierte Lyriker der Sprache und einer der am wenigsten gelesenen über die bekannten Gedichte hinaus. Bei Zulu liegt er in drei Ausgaben vor: die Erzählungen, der einzige Roman, die Gedichte.

175 Jahre Stevenson – Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste

Robert Louis Stevenson„Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste, Jo-ho-ho und die Pulle voll Rum!“ Den Vers hat Robert Louis Stevenson erfunden, 1881, an einem Regentag in Schottland, für einen Jungen, der sich langweilte. Zusammen mit der Augenklappe, dem Papagei, dem Holzbein und der Schatzkarte, auf der ein X die Stelle markiert. Alles, was wir über Piraten zu wissen glauben, hat ein kranker Schotte sich ausgedacht, der nie einen gesehen hatte.

Stevenson wurde am 13. November 1850 in Edinburgh geboren, Sohn einer Leuchtturmbauer-Dynastie, und starb am 3. Dezember 1894 auf Samoa, 44 Jahre alt. Zum 175. Geburtstag lohnt der Blick auf einen Autor, der zwei Dinge erfunden hat, die heute jeder kennt und kaum jemand ihm zuschreibt: den Piraten – und den Menschen, der nachts ein anderer wird. Bei Zulu liegen vier seiner Bücher vor.

Der Heilige Hubertus – Der Jäger, der den Hirsch sah

Der Heilige Hubertus„Die Gemsjagd! – Welchen eigenen Zauber nur das Wort allein auf mich ausübt!“ So beginnt Friedrich Gerstäcker 1857 sein Buch über die Jagd in den Tiroler Bergen, und so ungefähr klingt es, wenn am 3. November, dem Hubertustag, in Österreich und Bayern die Jagdhörner in den Kirchen spielen. Über manchem Altar hängt dann der Hirsch mit dem Kreuz im Geweih. Die Legende dahinter ist eine der schönsten des Mittelalters – und sie handelt weniger vom Jagen als vom Aufhören.

Hubertus, ein fränkischer Adliger des 7. Jahrhunderts, reitet an einem Karfreitag zur Jagd, während die anderen in der Kirche sind. Im Wald der Ardennen stellt er einen Hirsch, und zwischen dessen Geweihstangen leuchtet ein Kreuz. Eine Stimme fragt: „Hubertus, warum jagst du mich?“ Der Jäger fällt auf die Knie, gibt Besitz und Rang auf, wird Schüler des Bischofs Lambert von Maastricht, später selbst Bischof von Lüttich, und stirbt 727.

Nachts, wenn die Klassiker erwachen – Halloween bei Zulu-Ebooks

Halloween bei Zulu-EbooksEin Reiter auf einem nordfriesischen Deich, Oktober, Sturm. Etwas fährt lautlos an ihm vorbei – ein Schimmel, ein fliegender Mantel, dann nichts. Im Wirtshaus erzählt er es, und das Gespräch verstummt: „Der Schimmelreiter!“ So beginnt Theodor Storms letzte Novelle, 1888, und so beginnt bei Zulu die Jahreszeit, in der die Literatur ihre Schattenseite zeigt.

Halloween ist bei uns ein importiertes Fest. „All Hallows’ Eve“, der Vorabend von Allerheiligen, galt in Irland als die Nacht, in der die Grenze zwischen den Welten durchlässig wird; irische Auswanderer brachten den Brauch nach Amerika, wo aus Rüben Kürbisse wurden. Aber die Geschichten, die dazu passen, sind alt – und viele von ihnen deutsch.
 

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