Leo Frobenius
Leo Viktor Frobenius (1873 – 1938)Die Grundlage aller Kultur ist soziale Gliederung.
Leo Viktor Frobenius wurde am 29. Juni 1873 in Berlin geboren und starb am 9. August 1938 in Biganzolo am Lago Maggiore. Der Ethnologe und Afrikaforscher, Begründer der Kulturmorphologie und Sammler afrikanischer Erzählungen und Felsbilder war eine der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Gestalten der deutschen Völkerkunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Frobenius war der Sohn eines preußischen Offiziers und Enkel des Berliner Zoodirektors Heinrich Bodinus. Er verließ das Gymnasium ohne Abitur, absolvierte eine Kaufmannslehre und bildete sich als Volontär an den Völkerkundemuseen in Bremen, Basel und Leipzig selbst aus; Dissertation und Habilitation wurden abgelehnt. 1898 gründete er in Berlin ein Afrika-Archiv und entwickelte die Kulturkreislehre, die er später als zu mechanisch verwarf.
Zwischen 1904 und 1935 leitete Frobenius zwölf Deutsche Innerafrikanische Forschungsexpeditionen, zunächst in den Kongo, dann nach Westafrika, in den Sudan, nach Nordafrika, Südafrika und Äthiopien. Von dort brachte er Sammlungen, Kopien von Felsbildern und tausende Aufzeichnungen mündlicher Überlieferungen mit, die er in Reihen wie „Und Afrika sprach“ (1912–1913) und „Atlantis. Volksmärchen und Volksdichtungen Afrikas“ (12 Bände, 1921–1928) veröffentlichte. „Das schwarze Dekameron“ (1910) versammelt Liebes- und Heldengeschichten aus dem Sudan, die er auf diesen Reisen aufgezeichnet hatte.
Mit „Paideuma“ (1921) formulierte er seine Lehre von der Kultur als lebendigem Organismus mit eigener Seele, die ihn in die Nähe Oswald Spenglers brachte. 1925 übernahm die Stadt Frankfurt am Main sein Institut für Kulturmorphologie samt Sammlungen; 1932 wurde er Honorarprofessor, 1934 Direktor des Frankfurter Völkermuseums. Die „Kulturgeschichte Afrikas“ (1933) fasst sein Bild des Kontinents zusammen.
Frobenius’ Werk ist von den Denkweisen der Kolonialzeit durchzogen: Er sprach von Rassen und Kulturstufen, deutete die Ruinen von Simbabwe als Erbe fremder Hochkulturen und verstand Afrika als Gegenstand europäischer Forschung und Verwaltung. Zugleich bestritt er entschieden die Vorstellung eines geschichtslosen Afrika und stellte dessen Kulturen als gewachsen und eigenwertig dar.
Diese Haltung machte ihn zum Bezugspunkt der Négritude: Léopold Sédar Senghor und Aimé Césaire beriefen sich ausdrücklich auf ihn. Das Frobenius-Institut in Frankfurt setzt seine Arbeit bis heute fort, und seine Sammlungen afrikanischer Erzählungen bleiben eine unersetzte Quelle, auch wo seine Theorien längst aufgegeben sind.
Werke:
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Leo Frobenius
Deutsch
08.11.2013
1.09 MB
224
8.995