Jeremias Gotthelf
Jeremias Gotthelf (Albert Bitzius) (1797 – 1854)Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland.
Jeremias Gotthelf, mit bürgerlichem Namen Albert Bitzius, geboren am 4. Oktober 1797 in Murten, gestorben am 22. Oktober 1854 in Lützelflüh im Emmental, war ein Schweizer Pfarrer und Schriftsteller. Seine Romane und Novellen aus dem bernischen Bauernleben verbinden realistische Beobachtung mit christlich-pädagogischem Anspruch und machen ihn zu einem der großen Erzähler des 19. Jahrhunderts.
Als Sohn eines reformierten Pfarrers kam er 1805 nach Utzenstorf, wo er die bäuerliche Welt kennenlernte, die sein Werk ausfüllen sollte. Er studierte Theologie in Bern und Göttingen, diente als Vikar und wurde 1832 Pfarrer in Lützelflüh, wo er bis zu seinem Tod blieb; 1833 heiratete er Henriette Zeender.
Neben dem Pfarramt wirkte er als Schulkommissär, gründete eine Armenerziehungsanstalt und kämpfte gegen die Ausbeutung der Verdingkinder und gegen den Alkoholismus. Erst mit vierzig Jahren begann er zu schreiben: „Der Bauern-Spiegel“ (1837), eine fiktive Lebensgeschichte, trug bereits den Verfassernamen Jeremias Gotthelf, den er fortan beibehielt.
In rascher Folge entstanden „Wie Uli der Knecht glücklich wird“ (1841), die Novelle „Die schwarze Spinne“ (1842), in der ein Emmentaler Sagenstoff zur Parabel über Schuld, Pakt und Gemeinschaft wird, die Romane „Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet“ (1843–1844) und „Geld und Geist“ (1843–1844), „Uli der Pächter“ (1849) und „Zeitgeist und Berner Geist“ (1851). Politisch stand Gotthelf den Berner Radikalen feindlich gegenüber und griff in rund 150 meist anonymen Zeitungsartikeln in die Tagesfragen ein.
Seine Sprache, ein eigenwilliges Hochdeutsch mit berndeutschen Einsprengseln, wurde vom Verleger Julius Springer in Berlin ab 1846 für das deutsche Publikum geglättet. Gottfried Keller, der ihn kritisch rezensierte, nannte ihn nach seinem Tod ein großes episches Genie; Thomas Mann bewunderte die „Schwarze Spinne“, und Walter Muschg zählte ihn zu den bedeutendsten Erzählern deutscher Sprache. Die jüdischen Figuren in einigen Werken sind antijudaistisch gezeichnet, was die Forschung heute benennt.
Gotthelf starb nach einer Lungenentzündung in Lützelflüh. Die „Schwarze Spinne“ wurde mehrfach verfilmt und 1984 von Rudolf Kelterborn als Oper vertont; die Uli-Romane kamen in den 1950er Jahren unter Franz Schnyder ins Kino.
Werke:
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Jeremias Gotthelf
Deutsch
15.03.2016
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