Josef Haltrich
Josef Haltrich (1822 – 1886)Wie matt und abgeschliffen auch die beste schriftliche Aufzeichnung ist gegen die lebendige Darstellung eines guten Erzählers, das habe ich genugsam erfahren.
Josef Haltrich (auch Joseph Haltrich), geboren am 22. Juli 1822 in Sächsisch Regen in Siebenbürgen, gestorben am 17. Mai 1886 in Schaas bei Schäßburg, war Gymnasiallehrer, evangelischer Pfarrer und Volkskundler. Seine Märchensammlung aus dem Sachsenland ist das siebenbürgische Gegenstück zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Nach der Volksschule seiner Vaterstadt kam Haltrich 1836 auf das Gymnasium in Schäßburg, wo ihm 1842 die Grimmschen Märchen in die Hände fielen – und er darin die Geschichten wiederfand, die ihm Mutter, Großmutter und eine berühmte Erzählerin seines Heimatorts erzählt hatten. Ab 1845 studierte er in Leipzig Theologie, Philologie und Geschichte; dort verabredete er mit Freunden, die Überlieferung der Siebenbürger Sachsen zu sammeln: Lieder, Sagen, Sitten, Sprache – und ihm fielen die Märchen zu.
Die Revolutionsjahre 1848/49 unterbrachen das Vorhaben: Haltrich war kurz Hauslehrer in Klausenburg, verlor durch Brand sein Elternhaus und schloss sich der Schäßburger Garde an. Ab 1850 lehrte er als Professor am Schäßburger Gymnasium, dessen Seminaristen aus den Dörfern ihm bald zu seinen wichtigsten Gewährsleuten wurden; von 1869 bis 1872 leitete er die Schule als Rektor, danach übernahm er das Pfarramt in Schaas.
1856 erschienen die „Deutschen Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen“ mit achtundsiebzig Texten, denen er in der Darstellung das Vorbild der Grimms zugrunde legte, ohne die Treue zu den Erzählern aufzugeben. Es folgten die Schrift „Zur Culturgeschichte der Sachsen in Siebenbürgen“ (1867), die Abhandlung über „Die Macht und Herrschaft des Aberglaubens“ (1871) und die gesammelten kleineren Schriften „Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen“ (1885). Im Auftrag des Vereins für siebenbürgische Landeskunde legte er die Grundlagen eines siebenbürgisch-sächsischen Wörterbuchs, wofür ihn das Germanische Nationalmuseum 1859 in seinen Gelehrtenausschuss berief.
Haltrichs Märchen, mehrfach neu aufgelegt und um seine Tiermärchen ergänzt, sind bis heute die wichtigste Quelle für die Erzählkultur der Siebenbürger Sachsen. Die deutsche Schule in Schäßburg trägt seit 1972 seinen Namen.
Werke:
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Josef Haltrich
Deutsch
26.06.2015
1.73 MB
236
9.432