Joris-Karl Huysmans
Joris-Karl Huysmans (1848 – 1907)Herr, erbarme dich des Christen, der zweifelt, des Ungläubigen, der glauben möchte, des Sträflings des Lebens, der sich allein einschifft, in der Nacht, unter einem Firmament, das die tröstlichen Leuchtfeuer der alten Hoffnung nicht mehr erhellen.
Joris-Karl Huysmans (eigentlich Charles-Marie-Georges Huysmans; auch J.-K. Huysmans), geboren am 5. Februar 1848 in Paris, gestorben am 12. Mai 1907 ebenda, war ein französischer Romancier und Kunstkritiker. Er begann als Naturalist im Kreis um Zola, wurde mit „À rebours“ zum Wegbereiter der Dekadenzliteratur und endete als katholischer Konvertit – ein Lebensweg, den seine Romane Schritt für Schritt begleiten.
Sein Vater, ein Lithograph aus den Niederlanden, starb, als der Sohn acht Jahre alt war; die flämische Form des Vornamens wählte Huysmans später aus Verbundenheit mit dieser Herkunft.
Nach dem Baccalauréat trat er 1866 in das Innenministerium ein, wo er über dreißig Jahre lang als Beamter blieb und sich die Schriftstellerei neben dem Dienst abrang.
Die Prosagedichte „Le Drageoir aux épices“ (1874) und der Roman „Marthe“ (1876), die Geschichte einer Prostituierten, brachten ihn in Kontakt mit Zola, dessen Gruppe er mit der Novelle „Sac au dos“ in den „Soirées de Médan“ (1880) beitrat. Es folgten die naturalistischen Romane „Les Sœurs Vatard“ (1879), „En ménage“ (1881) und „À vau-l’eau“ (1882), zugleich machte er sich als Kunstkritiker zum frühen Fürsprecher der Impressionisten.
Mit „À rebours“ (1884) brach Huysmans mit dem Naturalismus: Der Roman um den Ästheten des Esseintes, der sich in ein künstliches Paradies aus Düften, Edelsteinen und seltenen Büchern zurückzieht, wurde zum Brevier der Décadence und zum Vorbild für Oscar Wildes „Dorian Gray“. Nach dem Okkultismus-Roman „Là-bas“ (1891) fand er in einem Trappistenkloster zum Glauben zurück; „En route“ (1895), „La Cathédrale“ (1898) und „L’Oblat“ (1903) erzählen diesen Weg in der Figur Durtal nach.
1900 wurde Huysmans erster Präsident der Académie Goncourt, 1901 Oblate der Benediktiner von Ligugé. Er starb 1907 nach langem Leiden an Kieferkrebs. Sein Werk mit seiner manierierten, bilderreichen Sprache gilt als Scharnier zwischen Naturalismus und Symbolismus; „À rebours“ ist das Buch geblieben, das den Begriff der Dekadenz literarisch geprägt hat.
Werke:
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Joris-Karl Huysmans
Deutsch
21.10.2015
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