John Polidori
John William Polidori (1795 – 1821)Es begab sich inmitten der Zerstreuungen eines Londoner Winters, dass auf den Gesellschaften der tonangebenden Kreise ein Edelmann erschien, der mehr durch seine Eigenheiten als durch seinen Rang auffiel.
John William Polidori wurde am 7. September 1795 in London geboren und starb dort am 24. August 1821. Der Arzt, Reisebegleiter Lord Byrons und Verfasser der Erzählung „The Vampyre“ schuf mit Lord Ruthven den Typus des aristokratischen Vampirs, der die Literatur und später den Film bis heute begleitet.
Polidori war der älteste Sohn des italienischen Emigranten und Gelehrten Gaetano Polidori und einer englischen Gouvernante; über seine Schwester Frances wurde er zum Onkel von Dante Gabriel und Christina Rossetti. Er besuchte das Ampleforth College und studierte Medizin in Edinburgh, wo er 1815, mit nur neunzehn Jahren, mit einer Arbeit über das Schlafwandeln promoviert wurde.
Im Frühjahr 1816 nahm ihn Lord Byron als Leibarzt auf seine Reise auf den Kontinent mit. In der Villa Diodati am Genfer See, wo sich Byron, Percy Shelley, Mary Godwin und Claire Clairmont in einem verregneten Sommer die Zeit mit Gespenstergeschichten vertrieben, entstand die Idee, dass jeder eine Schauergeschichte schreiben solle; Mary Godwin begann daraufhin „Frankenstein“. Polidori griff ein von Byron liegen gelassenes Fragment auf und formte daraus seine eigene Erzählung. Das Verhältnis zu Byron zerbrach noch im selben Jahr.
„The Vampyre“ erschien im April 1819 ohne Wissen des Verfassers im „New Monthly Magazine“ und wurde Byron zugeschrieben, was dem Text in ganz Europa sofortige Aufmerksamkeit verschaffte; die deutsche Übersetzung „Der Vampyr“ kam noch 1819 in Leipzig heraus, ebenfalls unter Byrons Namen. Beide Beteiligten bemühten sich vergeblich um Richtigstellung. Im selben Jahr veröffentlichte Polidori den Roman „Ernestus Berchtold, or The Modern Oedipus“ (1819), der kaum beachtet wurde.
Von Depressionen und Spielschulden bedrängt, starb Polidori mit fünfundzwanzig Jahren, wahrscheinlich durch Blausäure; die Untersuchung sprach von natürlichem Tod. Sein Tagebuch der Reise mit Byron gab 1911 sein Neffe William Michael Rossetti heraus.
Mit Lord Ruthven, dem blassen, undurchschaubaren Verführer der Gesellschaft, verlegte Polidori den Vampir aus dem Volksglauben in den Salon und gab Bram Stokers „Dracula“ wie der gesamten späteren Vampirliteratur das Vorbild. Die Erzählung gilt als die erste ihres Genres in der modernen Literatur.
Werke:
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John Polidori
Deutsch
29.08.2012
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