Jakob Elias Poritzky
Jakob Elias Poritzky (1876 – 1935)Je älter man wird, desto anspruchsvoller wird man in Bezug auf die Reife der Früchte, die man seinem Geiste abringt; zugleich wird man, je älter, desto bescheidener.
Jakob Elias Poritzky (eigentlich Isaak Porycki, auch Jacob Elias Poritzky), geboren am 13. Jänner 1876 in Łomża im russischen Teil Polens, gestorben am 1. Februar 1935 in Berlin, war Schriftsteller, Essayist, Theaterregisseur und einer der ersten Literaturvermittler im deutschen Rundfunk. Sein Werk reicht von Schauergeschichten über Novellen bis zu philosophischen Porträts.
Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns wuchs von früher Kindheit an in Karlsruhe auf, besuchte dort die Realschule und absolvierte auf Wunsch der Eltern eine kaufmännische Lehre. Der Wunsch, Schauspieler zu werden, trieb ihn mehrfach von zu Hause fort, bis nach Frankfurt und Paris, wo er sich an Theatern als Hilfsarbeiter verdingte, um Schauspielstunden zu bezahlen. Mit achtzehn ging er nach Berlin, studierte Philosophie und begann zu schreiben. 1901 heiratete er die Schriftstellerin Helene Orzolkowska; 1902 wurde die Tochter Ruth geboren, die spätere Komponistin und Sängerin.
Nach den anatomischen Skizzen „Abseits vom Leben“ (1896) und einer Monografie über den Materialisten Lamettrie (1900) erschien 1906 der Roman „Meine Hölle“, es folgten „Liebesgeschichten“ (1912) und „Gespenstergeschichten“ (1913), später der Roman „Melancholie“ (1927). Als Essayist versammelte er in „Imago mundi“ (1918), „Dämonische Dichter“ (1921), „Die Erotiker“ (1921) und „Phantasten und Denker“ (1922) Porträts von Außenseitern des Geistes; als Herausgeber betreute er Musäus, Arndt und Casanova.
Am Theater arbeitete Poritzky 1911 bis 1914 mit Rudolf Bernauer am Berliner Hebbel-Theater, 1915/16 als Regisseur am Hoftheater Karlsruhe, danach als literarischer Leiter des Drei-Masken-Verlags. Von 1926 bis 1932 sprach er in rund fünfunddreißig Sendungen der Funk-Stunde Berlin und anderer Sender über Kunst und Literatur und las eigene Texte – ein früher Versuch, Literatur über das neue Medium zu vermitteln.
Poritzky starb nach langer Krankheit und wurde auf dem Friedhof Berlin-Weißensee begraben. Seine Frau und seine Tochter wurden 1940 nach Südfrankreich deportiert und kamen 1942 auf dem Weg nach Auschwitz oder im Lager um. Sein Werk, lange vergessen, wird seit den 2000er Jahren vor allem von Freunden der phantastischen Literatur wiederentdeckt.
Werke:
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Jakob Elias Poritzky
Deutsch
30.09.2009
1.29 MB
212
8.965