Wilhelm Raabe
Wilhelm Karl Raabe (1831 – 1910)Wer imponirt? Nur Der, welcher ruhig seinen eigenen Weg geht.
Wilhelm Karl Raabe (Pseudonym Jakob Corvinus), geboren am 8. September 1831 in Eschershausen im Herzogtum Braunschweig, gestorben am 15. November 1910 in Braunschweig, war ein deutscher Erzähler. Neben Fontane und Storm gilt er als der bedeutendste Vertreter des Poetischen Realismus in Deutschland, dessen humoristisch verschattete, erzähltechnisch ungewöhnlich moderne Romane erst das 20. Jahrhundert ganz zu würdigen wusste.
Der Sohn eines Justizbeamten wuchs in den Kleinstädten des Weserberglands auf. Nach dem frühen Tod des Vaters 1845 zog die Familie nach Wolfenbüttel, wo der schlechte Schüler das Gymnasium ohne Abschluss verließ.
Eine Buchhändlerlehre in Magdeburg brach er nach vier Jahren ab, las in dieser Zeit aber unablässig; als Gasthörer in Berlin schrieb er 1854/55 sein erstes Buch.
„Die Chronik der Sperlingsgasse“ (1856) erschien unter dem Namen Jakob Corvinus und fand so viel Beifall, dass Raabe von nun an als freier Schriftsteller lebte – ein seltener Fall im 19. Jahrhundert. Nach Jahren in Wolfenbüttel zog er 1862 mit seiner Frau Bertha nach Stuttgart, wo die sogenannte Stuttgarter Trilogie entstand: „Der Hungerpastor“ (1864), „Abu Telfan“ (1867) und „Der Schüdderump“ (1870), Romane über das Scheitern des Einzelnen an der Gesellschaft der Gründerzeit. Aus derselben Zeit stammt die Erzählung „Die schwarze Galeere“ (1861), ein historisches Seestück aus dem niederländischen Freiheitskrieg.
1870 kehrte Raabe nach Braunschweig zurück und blieb dort bis zu seinem Tod, ein Stammtischbürger, der nebenher die eigenwilligsten Bücher seiner Zeit schrieb: „Horacker“ (1876), „Das Odfeld“ (1888), „Stopfkuchen“ (1891), „Die Akten des Vogelsangs“ (1896) und „Hastenbeck“ (1899). Ihre verschachtelten Erzählperspektiven, Zitatgeflechte und doppelbödigen Erzähler nahmen Verfahren vorweg, die später als modern galten; das Publikum folgte ihm dabei nur zögernd.
Erst zum siebzigsten Geburtstag erlebte Raabe mit Ehrendoktorwürden und Feiern die Anerkennung, die ihm lange gefehlt hatte. Nach seinem Tod vereinnahmte ihn eine national gesinnte Raabe-Gemeinde als Dichter deutscher Innerlichkeit; die Forschung seit den 1960er Jahren hat dagegen den Skeptiker und Formkünstler freigelegt, dessen Figuren an der Welt leiden, ohne ihr den Humor zu opfern.
Werke:
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Wilhelm Raabe
Deutsch
10.05.2012
156.12 KB
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10.170