Karl Simrock
Karl Joseph Simrock (1802 – 1876)An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein, mein Sohn, ich rate dir gut: Da geht dir das Leben zu lieblich ein, da blüht dir zu freudig der Mut.
Karl Joseph Simrock, geboren am 28. August 1802 in Bonn, gestorben am 18. Juli 1876 ebenda, war Dichter, Germanist und Übersetzer. Mehr als jeder andere seiner Generation hat er die mittelalterliche deutsche und die altnordische Dichtung dem Lesepublikum des 19. Jahrhunderts erschlossen.
Er kam als dreizehntes und letztes Kind des Musikverlegers Nikolaus Simrock zur Welt. Im frankophilen Elternhaus wurde Französisch gesprochen, doch der Sohn begeisterte sich früh für deutsche Epen und Märchen. Ab 1818 studierte er in Bonn Rechtswissenschaft, ab 1822 in Berlin, wo ihn die altgermanistischen Vorlesungen Friedrich von der Hagens und Karl Lachmanns prägten.
Nach dem Abschluss arbeitete Simrock am Berliner Kammergericht. Ein Gedicht auf die Julirevolution von 1830 kostete ihn die Stellung im preußischen Staatsdienst. Er kehrte nach Bonn zurück, lebte als Privatgelehrter, wurde 1834 promoviert und erhielt erst 1850 eine außerordentliche, 1853 eine ordentliche Professur für deutsche Sprache und Literatur. Ab 1840 bewohnte er das „Haus Parzival“ auf dem Menzenberg bei Honnef, wo auch die Brüder Grimm zu Gast waren.
Den Durchbruch brachte 1827 seine neuhochdeutsche Übertragung des „Nibelungenlieds“, die über Jahrzehnte die meistgelesene blieb. Es folgten „Der arme Heinrich“ (1830), die Gedichte Walthers von der Vogelweide (1833), „Parzival und Titurel“ (1842), das „Heldenbuch“ (1843–1849), „Die Edda“ (1851), „Tristan und Isolde“ (1855) und der „Beowulf“ (1859). In den „Deutschen Volksbüchern“ (1839–1843) bearbeitete er alte Erzählstoffe wie die Schildbürger; dazu kamen „Rheinsagen“ (1836), „Die deutschen Sprichwörter“ (1846) und ein „Handbuch der deutschen Mythologie“ (1855). Seine eigenen Gedichte, darunter die vielfach vertonte „Warnung vor dem Rhein“, gehören zur Rheinromantik.
Simrocks Übertragungen verbinden philologische Treue mit einem Gespür für Rhythmus und Ton, das die Texte lesbar macht, ohne sie zu glätten. Seine Volksbücher erreichten bis 1867 fünfundfünfzig Auflagen, seine Edda ist bis heute in Klassikerreihen greifbar. Viele Leser lernen den Stoff der Nibelungen und der nordischen Götterlieder noch immer zuerst in seinen Worten kennen.
Werke:
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Karl Simrock
Deutsch
05.08.2014
1.54 MB
270
12.277