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Wilhelm Voigt

Friedrich Wilhelm VoigtFriedrich Wilhelm Voigt (1849 – 1922)
Der Helm stand ruhig in meiner Wohnung auf dem Tische. Ich hielt es aber nicht der Sachlage nach nötig, 17 Stunden lang einen Helm auf dem Kopfe zu tragen zu einer Diensthandlung, die ich bequemer in der Mütze ausführen konnte und wollte.

Friedrich Wilhelm Voigt, genannt der Hauptmann von Köpenick, geboren am 13. Februar 1849 in Tilsit in Ostpreußen, gestorben am 3. Jänner 1922 in Luxemburg, war Schuhmacher, vielfach vorbestrafter Dieb und der Mann, der am 16. Oktober 1906 in einer zusammengekauften Hauptmannsuniform das Rathaus von Köpenick besetzte. Sein Streich ging als „Köpenickiade“ in die deutsche Sprache ein.

Der Sohn eines Schuhmachers saß mit vierzehn Jahren erstmals im Gefängnis. Zwischen 1864 und 1891 wurde er viermal wegen Diebstahls und zweimal wegen Urkundenfälschung verurteilt; der Versuch, mit einer Brechstange die Gerichtskasse von Wongrowitz zu knacken, brachte ihm fünfzehn Jahre Zuchthaus ein. Als er 1906 freikam, fand er in Wismar Arbeit bei einem Hofschuhmacher, wurde aber als Vorbestrafter ausgewiesen; auch in Berlin erhielt er Aufenthaltsverbot. Ohne Papiere und ohne Aussicht auf Bleibe plante er, was er schon in der Zelle ausgedacht hatte.

In Uniform hielt er bei Plötzensee zwei Trupps Gardesoldaten an, fuhr mit ihnen per Bahn nach Köpenick, ließ den Bürgermeister verhaften, beschlagnahmte die Stadtkasse mit 3557 Mark und quittierte mit dem Namen seines letzten Gefängnisdirektors. Zehn Tage später wurde er verraten und verhaftet, zu vier Jahren verurteilt und 1908 vom Kaiser begnadigt, der ihn in einer Randnotiz einen „genialen Kerl“ nannte. Ganz Deutschland lachte, doch die Presse erkannte sofort die ernste Seite: Eine Uniform genügte, um die Staatsgewalt außer Kraft zu setzen.

Nach der Entlassung wurde Voigt zur Schaustellerfigur: Grammophonaufnahme, Wachsfigur im Panoptikum, Auftritte in Sälen und Zirkuszelten in ganz Europa. 1909 erschien in Leipzig seine Lebensbeschreibung „Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde“, die sich gegen die Spötter verteidigt und seine Sicht der Dinge erzählt. 1910 ließ er sich in Luxemburg nieder, erwarb ein Haus und eines der ersten Automobile des Landes.

Er starb verarmt und lungenkrank 1922 in Luxemburg; sein Grab auf dem Liebfrauenfriedhof pflegt die Stadt bis heute. Carl Zuckmayers Komödie von 1931 und die Verfilmung mit Heinz Rühmann (1956) haben aus dem Schuster eine Figur gemacht, die der wilhelminischen Uniformgläubigkeit ihren Spiegel vorhält.

Werke:

ebook Hauptmann von Köpenick
(6)
Wilhelm Voigt, der berühmte "Hauptmann von Köpenick", erzählt aus seinem Leben. Die Selbstdarstellung Voigts ist sehr beschönigend und stammt aus der Zeit nach seiner Begnadigung, als er von seinem Ruhm als Vortragsreisender und Autogrammschreiber recht komfortabel leben konnte.

Nach neueren Forschungen ist die Sache mit dem Pass zwar wohl reine Legende (und er hoffte vielmehr im .... Weiterlesen...
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