Wilhelm Goldschmidt
Wilhelm Carl Emanuel Goldschmidt (1841 – nach 1922)Erzählen klug nach alten Märchenregeln von dem, was niemals war und ewig ist.
Wilhelm Carl Emanuel Goldschmidt wurde am 21. Dezember 1841 in Berlin geboren; sein Todesjahr ist nicht überliefert, die letzte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1922. Der Buchhändler, Zeitungsgründer und Übersetzer gehörte zu den Vermittlern, die im späten 19. Jahrhundert russische Literatur und Volksdichtung dem deutschen Publikum zugänglich machten.
Goldschmidt entstammte einer Berliner Fabrikantenfamilie: Der Vater Eduard war Mitinhaber der Kattunfabrik R. Goldschmidt & Söhne, die Mutter eine Tochter von Christian Kunth, dem Erzieher der Brüder Humboldt. Sein Bruder Friedrich wurde Industrieller und Reichstagsabgeordneter, der Bruder Paul Historiker. Wilhelm besuchte das Gymnasium und studierte an der Berliner Universität.
1865 ging er nach St. Petersburg. Dort gründete er die erste russische Modezeitung „Der Neue Russische Bazar“ mit, ein Ableger der Berliner Zeitschrift „Der Bazar“, und führte sie bis 1872 zur auflagenstärksten Modezeitung Russlands. Ab 1875 schrieb er für den deutschsprachigen „St. Petersburger Herold“, betrieb eine Buchhandlung und veröffentlichte daneben eigene Arbeiten wie „Der Gouverneur von Darien“ (1875) und „Dramaturgische Notizen“ (1878).
In Petersburg entstand auch seine Sammlung „Russische Märchen“ (1883), die er mit einem im Jahr 1882 datierten Widmungsgedicht einleitete; sie bringt Zaubermärchen und Schwänke der russischen Volksüberlieferung – vom Meister Frost bis zum fliegenden Schiff – in freier deutscher Nacherzählung. Es folgten Übertragungen von Erzählungen Dostojewskis für Reclams Universal-Bibliothek (1885), Romane von P. Letnew (1886) und später Volkserzählungen Tolstois.
1888 kehrte Goldschmidt nach Deutschland zurück und lebte in Aschaffenburg, wo 1891 mit „Nihilisten“ eine letzte eigene Arbeit zu russischen Themen erschien. Seine Tolstoi-Übersetzungen wurden bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nachgedruckt; die „Russischen Märchen“ sind nach wie vor eine der frühesten deutschen Auswahlen aus dem russischen Märchenschatz.
Werke:
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Wilhelm Goldschmidt
Deutsch
26.12.2020
3.9 MB
151
4.037