Émile de La Bédollière
Émile Gigault de La Bédollière (1812 – 1883)Der Kummer schwebt wie das Damoklesschwert für immer über den Köpfen der Katzen und der Menschen.
Émile Gigault de La Bédollière (auch Émile de Labédollière, Pseudonym Anthony Dubourg) wurde am 24. Mai 1812 in Amiens geboren und starb am 24. April 1883 in Paris. Er war Journalist, Übersetzer und Verfasser populärer Sachbücher – einer jener Vielschreiber des 19. Jahrhunderts, die das Lesepublikum der aufkommenden Massenpresse mit Wissen, Geschichte und Unterhaltung versorgten.
Der Sohn einer Adelsfamilie aus der Picardie studierte Rechtswissenschaft und wurde 1833 als Anwalt zugelassen, veröffentlichte aber bereits als Vierzehnjähriger erste Texte. Er gehörte zur Generation der Romantiker, die sich an der Julirevolution von 1830 begeisterte, und verkehrte mit Gérard de Nerval und Théodore Rousseau. Eine kritische Schrift über das politische Wirken des Marquis de La Fayette brachte ihn 1833 vor Gericht; er wurde freigesprochen.
Seine Laufbahn machte er bei der liberalen Tageszeitung „Le Siècle“, deren Redaktion er jahrzehntelang angehörte. 1857 kandidierte er erfolglos für die Opposition zum Corps législatif, 1869 war er an der Gründung des republikanischen Blattes „Le National“ beteiligt, in dem er das tägliche Bulletin schrieb und sich mit der klerikalen Partei anlegte. Daneben war er Mitglied der Pariser Liedergesellschaften, verfasste zahlreiche Chansons und wurde 1874 Ehrenmitglied der Société du Caveau.
Als Übersetzer brachte er Hoffmann, Walter Scott, Dickens und Cooper nach Frankreich; seine Übertragung von Harriet Beecher Stowes „Onkel Toms Hütte“ (1852, mit einem Vorwort von George Sand) wurde zum Verkaufserfolg. Unter seinen eigenen Werken stehen illustrierte Sittenbilder wie „Les Industriels, métiers et professions en France“ (1842, Zeichnungen von Henry Monnier) und „Le Nouveau Paris“ (1861, Illustrationen von Gustave Doré) neben Geschichtswerken zur Nationalgarde, zur Mode, zu den Kriegen in Italien, Mexiko und 1870/71.
Sein bekanntestes Buch ist ausgerechnet das kleinste: „Histoire de la mère Michel et de son chat“ (1846, illustriert von Lorentz), in dem er dem sprichwörtlichen französischen Kinderlied von der alten Frau, die ihre Katze verloren hat, eine Vorgeschichte erfand. Die Erzählung wurde bereits 1847 ins Englische übertragen und dabei nach London verlegt; die Zulu-Ausgabe folgt dieser englischen Fassung mit ihren Holzstichen in einer Bearbeitung von Hans-Jürgen Horn. La Bédollière starb an einem Schlaganfall und liegt auf dem Friedhof Montmartre begraben.
Werke:
|
Émile de La Bédollière
Deutsch
19.12.2021
14.07 MB
79
4.447