Franz Rehbein
Franz Rehbein (1867 – 1909)Es ist, als wenn heute noch ein Hauch des Mittelalters über die pommerschen Flachfelder weht. Ein Adelssitz am andern, Rittergut an Rittergut; Stammschlösser und Tagelöhnerkaten, Herrenmenschen und Heloten.
Franz Rehbein wurde am 5. März 1867 in Neustettin in Hinterpommern geboren und starb am 14. März 1909 in Berlin. Der Landarbeiter, Gewerkschafter und sozialdemokratische Redakteur hinterließ mit seiner Autobiografie eines der eindringlichsten Zeugnisse der deutschen Arbeiterliteratur.
Er wuchs als Sohn eines lungenkranken Flickschneiders und einer Wäscherin in bitterer Armut auf; nach dem frühen Tod des Vaters musste er als Kind auf den Feldern der pommerschen Rittergüter arbeiten. 1881 ging er als sogenannter Sachsengänger nach Schleswig-Holstein, entlief seinem Vermittler in Hamburg und verdingte sich als Knecht auf einem ostholsteinischen Gut.
Nach drei Jahren Militärdienst bei den Dragonern in Metz arbeitete Rehbein als Knecht, Großknecht und Tagelöhner in Dithmarschen und gründete eine Familie. 1895 riss ihm eine Dreschmaschine den rechten Arm ab. Als Straßenhändler und Zeitungsausträger hielt er sich mit seiner Frau in Kiel über Wasser, bis ihn die Sozialdemokratie 1899 als Redakteur der „Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung“ in Elmshorn anstellte. 1901 kam er zum „Vorwärts“ nach Berlin, 1907 zur Generalkommission der Gewerkschaften.
Wenige Wochen vor seinem plötzlichen Tod schloss er seine Lebensbeschreibung ab. Paul Göhre gab sie 1911 gemeinsam mit der Witwe Dora Rehbein bei Eugen Diederichs in Jena als „Das Leben eines Landarbeiters“ heraus. Das Buch schildert ohne Beschönigung Gesindeordnung, Gutsherrschaft, Lohn und Kost der Landarbeiter im Kaiserreich, mit Dialogen im schleswig-holsteinischen Platt, und zählt neben den Erinnerungen von Moritz Bromme und Carl Fischer zu den klassischen Arbeiterautobiografien, die Göhre in dieser Reihe versammelte.
Rehbein hinterließ Frau und sechs Kinder. Sein Bericht wurde mehrfach neu aufgelegt, 1955 in der DDR unter dem Titel „Gesinde und Gesindel“, 1985 in einer kommentierten Ausgabe in Hamburg, und gilt der Sozialgeschichte als eine der wichtigsten Quellen zur Lage der ostelbischen Landarbeiter.
Werke:
|
Franz Rehbein
Deutsch
29.06.2015
1.44 MB
157
8.899