Willy Seidel
Willy Seidel (1887 – 1934)Und nichts schadet der künstlerischen Betrachtung und Behandlung des Exotischen, Wesensfremden mehr als Gefühlsduselei.
Willy Seidel wurde am 15. Jänner 1887 in Braunschweig geboren und starb am 29. Dezember 1934 in München. Der jüngere Bruder der Dichterin Ina Seidel gehört zu den eigenwilligen Vertretern der exotischen und phantastischen Erzählliteratur der Weimarer Jahre.
Sein Vater leitete die chirurgische Abteilung des Herzoglichen Krankenhauses in Braunschweig; nach dessen frühem Tod zog die Familie 1895 nach Marburg und 1897 nach München, wo Seidel das Maximiliansgymnasium besuchte. Sein Onkel war der Erzähler Heinrich Seidel. Nach fünf Semestern Biologie und Zoologie wechselte er zur Germanistik und promovierte 1911 in München mit einer Arbeit über Theodor Storm.
Reisen prägten sein Werk: Eine von Anton Kippenberg ermöglichte Ägyptenfahrt ging in den Roman „Der Sang der Sakîje“ (1914) ein; 1914 reiste er im staatlichen Auftrag in die Südsee, wurde bei Kriegsausbruch auf Samoa von den Ereignissen überrascht und floh auf einem amerikanischen Schiff in die Vereinigten Staaten, wo er die Kriegsjahre in großer Not verbrachte. Die bittere Abrechnung „Der neue Daniel“ (1921) verarbeitet diese Zeit. 1919 kehrte er nach München zurück.
In den zwanziger Jahren wandte er sich dem Phantastischen und Okkulten zu, dem er zugleich mit ironischer Distanz begegnete. Es entstanden „Das älteste Ding der Welt“ (1923), eine in nur 550 Exemplaren gedruckte phantastische Erzählung, die Jenseitsgroteske „Alarm im Jenseits“ (1927), „Die magische Laterne des Herrn Zinkeisen“ (1929) sowie das Reisebuch „Die Himmel der Farbigen“ (1930), in dem er den deutschen Exotismus in der Literatur reflektiert. 1929 erhielt er den Dichterpreis der Stadt München.
Nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch 1931 konnte Seidel kein größeres Werk mehr vollenden; im Oktober 1933 gehörte er zu den Unterzeichnern des Gelöbnisses treuester Gefolgschaft für Hitler. Er starb mit 47 Jahren an einem Herzanfall. Außerhalb der Fachkreise für phantastische Literatur ist er heute weitgehend vergessen.
Werke:
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Willy Seidel
Deutsch
03.07.2012
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