Gerhart Hauptmann
Gerhart Johann Robert Hauptmann (1862 – 1946)Den Menschen wichtig zu nehmen ist Kultur, den Menschen geringschätzen: Barbarei.
Gerhart Johann Robert Hauptmann (getauft Gerhard) wurde am 15. November 1862 in Ober Salzbrunn in Schlesien geboren und starb am 6. Juni 1946 in Agnetendorf im Riesengebirge. Er ist der bedeutendste Dramatiker des deutschen Naturalismus, Nobelpreisträger des Jahres 1912 und über Jahrzehnte die repräsentative Gestalt der deutschen Literatur.
Hauptmann wuchs als jüngstes von vier Kindern eines Hotelbesitzers im schlesischen Kurort auf. Die Schule in Breslau verließ er vorzeitig, eine Landwirtschaftslehre brach er ab, und auch die Bildhauerausbildung in Breslau sowie Studienversuche in Jena, Dresden und Berlin führten zu keinem Abschluss. Erst die Heirat mit Marie Thienemann 1885 gab ihm die materielle Freiheit, sich ganz dem Schreiben zu widmen.
In Erkner bei Berlin entstand 1887 die Novelle „Bahnwärter Thiel“, sein erstes naturalistisches Werk. Das Drama „Vor Sonnenaufgang“ löste 1889 bei der Uraufführung durch die Freie Bühne einen Theaterskandal aus und machte ihn mit einem Schlag bekannt. Mit „Die Weber“ (1892), dem zunächst verbotenen Stück über den schlesischen Weberaufstand, erlangte er Weltruhm. Es folgten die Komödie „Der Biberpelz“ (1893), „Hanneles Himmelfahrt“ (1893), das Märchendrama „Die versunkene Glocke“ (1896) und „Rose Bernd“ (1903).
Hauptmann wechselte in seinem Werk mehrfach zwischen sozialer Studie, Mythos und Traum. Der Roman „Der Narr in Christo Emanuel Quint“ (1910) und die Erzählung „Der Ketzer von Soana“ (1918), in der ein junger Priester die heidnische Lebenskraft der Natur entdeckt, zeigen den Sucher nach einer Religion diesseits der Kirche. 1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur; in der Weimarer Republik galt er vielen als heimlicher Repräsentant des Staates.
Nach 1933 blieb Hauptmann in Deutschland, unterzeichnete eine Loyalitätserklärung und ließ sich vom Regime als Repräsentant deutscher Kultur vereinnahmen, ohne selbst politisch hervorzutreten; diese Haltung wird bis heute kontrovers beurteilt. Unter dem Eindruck des Krieges entstand als Alterswerk die „Atriden-Tetralogie“ (1941–1948). Er erlebte die Zerstörung Dresdens und starb kurz vor der geplanten Ausweisung in seinem Haus Wiesenstein; beigesetzt wurde er auf Hiddensee.
Hauptmanns Nachruhm hat Schwankungen erlebt, doch seine naturalistischen Dramen gehören bis heute zum festen Spielplan der deutschsprachigen Bühnen. Die frühen Erzählungen, allen voran „Bahnwärter Thiel“, zählen zu den meistgelesenen Prosatexten des späten 19. Jahrhunderts.
Werke:
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Gerhart Hauptmann
Deutsch
06.11.2015
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