Victor von Strauß und Torney
Friedrich Victor von Strauß und Torney (1809 – 1899)In einem Dorfe lebte ein Grobschmied mit seiner Frau und den drei Söhnen, die er zu seinem Handwerk aufgezogen hatte.
Friedrich Victor von Strauß und Torney (auch Viktor von Strauß, bis 1852 Victor Strauß), geboren am 18. September 1809 in Bückeburg, gestorben am 1. April 1899 in Dresden, war ein deutscher Staatsmann, Dichter, Übersetzer und Religionshistoriker. Als Kirchenlieddichter der Erweckungsbewegung und als erster deutscher Übersetzer des „Tao Te King“ hat er in zwei weit auseinanderliegenden Feldern Spuren hinterlassen.
Der Sohn eines Buchbindermeisters studierte ab 1827 die Rechte und trat 1832 in den Dienst des Fürsten von Schaumburg-Lippe; im selben Jahr heiratete er Albertine von Torney, die Letzte ihres Adelsgeschlechts. 1840 wurde er Archivrat, 1848 Kabinettsrat und 1850 Vertreter des Fürstentums am Bundestag in Frankfurt.
1852 in den österreichischen Adelsstand erhoben, vertrat er in Frankfurt eine streng konservative, antidemokratische Linie; seine „Briefe über Staatskunst“ (1853) enthalten auch judenfeindliche Passagen, die zur Beurteilung seiner Person gehören. 1866 stimmte er für die Mobilmachung gegen Preußen und schied nach der preußischen Entscheidung aus dem Staatsdienst. 1869 zog er nach Erlangen, 1872, im Jahr der Namensvereinigung mit dem Geschlecht seiner Frau, nach Dresden.
Von der lutherischen Erweckung geprägt, veröffentlichte er „Gedichte“ (1841), „Lieder aus der Gemeine für das christliche Kirchenjahr“ (1843) und „Das Kirchenjahr im Hause“ (1845); Lieder wie „Herr, vor dein Antlitz treten zwei“ stehen bis heute im Evangelischen Gesangbuch. Daneben schrieb er Dramen, Erzählungen, 1871 einen Band „Novellen“ und für Familienzeitschriften Märchen wie den „Glücksschmied“ (1865), eine Weihnachtsgeschichte in der Art der Volksmärchen vom jüngsten, verkannten Sohn.
In Dresden wandte er sich der Sinologie und der Religionsgeschichte zu. Seine kommentierte Übertragung des „Tao Te King“ (1870) wurde von Karl Jaspers noch im 20. Jahrhundert als Grundlage des Studiums bezeichnet und ist im Manesse-Verlag bis heute lieferbar; 1880 folgte die erste deutsche Gesamtübersetzung des „Schi-king“, 1889–1891 das zweibändige Werk „Der altägyptische Götterglaube“. Die Universität Leipzig verlieh ihm 1882 die Ehrendoktorwürde der Theologie, Dresden das Ehrenbürgerrecht. Seine Enkelin Lulu von Strauß und Torney wurde als Balladendichterin bekannt.
Werke:
|
Victor von Strauß und Torney
Deutsch
04.06.2020
683.34 KB
22
3.690