„Der Hausfreund“ ist die frühe deutsche Ausgabe einer Auswahl aus „Household Words“, der Wochenschrift, die Charles Dickens im März 1850 in London gründete und bis 1859 leitete. Für zwei Pence wollte das Blatt in jedes Haus kommen, Reich und Arm ansprechen und den Alltag der Industriezeit mit Phantasie statt mit bloßem Nützlichkeitsdenken betrachten. Das Programm dazu, Dickens’ Vorwort aus der ersten Nummer, eröffnet auch diesen Band.
Den Hauptteil bildet Elizabeth Gaskells Erzählung „Lizzie Leigh“, mit der die Zeitschrift ihre erste Fortsetzungsgeschichte brachte: Eine Witwe aus dem Umland von Manchester macht sich auf die Suche nach ihrer verstoßenen Tochter, von der die Familie seit Jahren nichts mehr gehört hat. Gaskell erzählt das ohne Beschönigung, aber mit einer Wärme, die das soziale Elend der Fabrikstadt nicht zur Kulisse verkommen lässt. Daneben stehen drei kürzere Stücke aus den ersten Heften: „Die wahre Geschichte eines Steinkohlenfeuers“, eine naturkundliche Fabel über die Entstehung der Kohle, Dickens’ eigene Parabel „Ein Kindertraum von einem Sterne“ und die „Geschichte eines nach Australien Deportierten“, ein Bericht aus der Kolonie, der zeigt, wie das Blatt Auswanderung als Ausweg aus der Armut propagierte.
Die Texte folgen der Übersetzung, die das Verlags-Comptoir in Grimma und Leipzig 1851 herausbrachte – nur ein Jahr nach dem englischen Original. Die Sprache trägt die Spuren ihrer Zeit, gibt aber gerade deshalb einen unverstellten Eindruck davon, wie Dickens’ Journalismus damals in Deutschland ankam. Die Beiträge erschienen im Original ohne Verfassernamen; die Zuschreibungen beruhen auf der heutigen Forschung.
Ebook Editor: Hans-Jürgen Horn (Oktober 2026)