Tagtraumland (2002) ist eine satirische Erzählung in Episoden über Arbeit, Aufstieg und Aussteigen im Deutschland der späten 1970er Jahre. Der Angestellte Hans tauscht das Auto gegen die S-Bahn, wird befördert, abgeschoben und beauftragt, den Jahresbedarf an Radiergummis zu ermitteln. Am Bahnhof und im Park lernt er eine Gegenwelt kennen: den Klomann Max, den Elektriker Willy, Pillen-Paul und Krätze-Karla, dazu drei Weltreisende, deren Tagebuch von Paris über Madrid nach Tanger führt.
Peter Blind erzählt in lockerer Folge von Anekdoten, die zwischen Kabarett und Alt-68er-Nostalgie stehen – mit Marx im Bauwagen, einem Che-Hemd im Vorstandszimmer und einem Börsengang, der am Ende anders ausgeht, als die Chefetage erwartet. Die Kapitalismuskritik ist spürbar, aber augenzwinkernd; die Hoffnung endet im selbstverwalteten „Kombinat Tagtraumland“. Ein kurzer, unprätentiöser Text aus der alternativen Szene, der mehr Zeitgefühl als Handlungsbogen bietet. |