Heinrich Reichard
Heinrich August Ottokar Reichard (1751 – 1828)Leben der Seelen! Thron der Vollkommenheit! ich werfe mich in den Staub Deiner Füße, und bete den Widerschein Deiner Fürtrefflichkeiten an!
Heinrich August Ottokar Reichard wurde am 3. März 1751 in Gotha geboren und starb dort am 17. Oktober 1828. Bibliothekar, Theatermann, Herausgeber und Verfasser der ersten deutschen Reiseführer, war er einer der vielseitigsten Literaten der Goethezeit.
Der Vater starb, als er vier Jahre alt war; der Stiefvater ermöglichte ihm ab 1767 das Jurastudium in Göttingen, Leipzig und Jena. 1771 kehrte er nach Gotha zurück und lebte zunächst von Veröffentlichungen – anonymen Erzählungen wie „Amor vor Gerichte“ und 1779 dem „Blauauge“, einem frivolen orientalischen Märchen in der Art Crébillons und Wielands, das er in der Vorrede selbst mit den „bijoux indiscrets“ Diderots entschuldigte.
1775 übernahm er mit dem Schauspieler Conrad Ekhof die Leitung des Gothaer Hoftheaters, der ersten stehenden Bühne Deutschlands, und begann den „Theater-Kalender“, der bis 1800 erschien und bis heute eine Hauptquelle zur Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts ist; das „Theater-Journal für Deutschland“ (1777–1784) kam hinzu. Im selben Jahr wurde er Inspektor der herzoglichen Bibliothek, ein Amt, das er vierzig Jahre lang bekleidete.
Berühmt wurde er mit dem „Handbuch für Reisende aus allen Ständen“ (1784) und dem „Guide des voyageurs en Europe“, die er in immer neuen Auflagen selbst ergänzte – die ersten Reiseführer im modernen Sinn, ein halbes Jahrhundert vor Baedeker. 1778 übersetzte er eine Geschichte Tonkins und gab dem deutschen Publikum ein erstes Bild Vietnams.
1818 wurde er Geheimer Kriegsrat. Er korrespondierte mit halb Deutschland, traf Goethe 1807 in Karlsbad und schrieb seine „Selbstbiographie“ (gedruckt 1877). Das „Blauauge“ bei Zulu ist ein Fund für Liebhaber des Rokoko: galant, ironisch und ganz unverlegen.
Werke:
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Heinrich Reichard
Deutsch
07.02.2021
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