Marquis de Sade
Donatien Alphonse François, Marquis de Sade (1740 – 1814)Man ist noch lange kein Verbrecher, wenn man die seltsamen Neigungen beschreibt, zu denen die Natur verleitet.
Donatien Alphonse François de Sade, bekannt als Marquis de Sade, geboren am 2. Juni 1740 in Paris, gestorben am 2. Dezember 1814 in der Anstalt von Charenton bei Paris, war ein französischer Adeliger und Schriftsteller. Sein Werk, das sexuelle Gewalt mit radikaler Religions- und Moralkritik verbindet, war bis ins 20. Jahrhundert verboten und hat dem Sadismus den Namen gegeben.
Er entstammte einem alten provenzalischen Adelsgeschlecht und wurde von einem Onkel, dem Abbé de Sade, erzogen. Nach dem Jesuitenkolleg diente er als Offizier im Siebenjährigen Krieg; 1763 wurde er mit Renée-Pélagie de Montreuil verheiratet, deren Mutter später die hartnäckigste Betreiberin seiner Gefangenschaft wurde.
Skandale mit Prostituierten, der Fall Rose Keller 1768 und die Marseiller Affäre 1772, in der er in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde, führten zu Flucht und wiederholter Haft. 1777 ließ ihn die Familie durch königlichen Haftbefehl einsperren; in Vincennes und ab 1784 in der Bastille entstand der Großteil seines Werks, darunter „Die 120 Tage von Sodom“ (1785), dessen Manuskriptrolle beim Sturm der Bastille verloren ging und erst 1904 veröffentlicht wurde.
1790 freigelassen, beteiligte sich Sade als „Bürger Sade“ an der Revolution, wurde Sekretär seiner Pariser Sektion und entging 1794 nur durch Robespierres Sturz der Guillotine. „Justine oder vom Missgeschick der Tugend“ (1791) erschien anonym und wurde 1797 zur „Neuen Justine“ erweitert, der die „Geschichte der Juliette“ folgte; „Die Philosophie im Boudoir“ (1795) und der Briefroman „Aline und Valcour“ (1795) gehören in dieselben Jahre. 1801 wurde er ohne Urteil verhaftet und verbrachte die letzten elf Jahre in Charenton, wo er mit den Insassen Theater spielte.
Sein Testament verlangte, dass die Spur seines Grabes verschwinde und sein Andenken aus dem Gedächtnis der Menschen gelöscht werde. Das Gegenteil geschah: Die Surrealisten um Apollinaire und Breton erhoben ihn zum Vorläufer, Pierre Klossowski, Simone de Beauvoir, Georges Bataille sowie Adorno und Horkheimer lasen ihn als Denker der aufgeklärten Vernunft und ihrer Abgründe. Noch 1957 wurde ein französischer Verleger wegen Sade verurteilt; seit 1990 erscheint er in der Bibliothèque de la Pléiade. Die Lektüre verlangt bis heute die Bereitschaft, sich auf einen Autor einzulassen, der die Grenzen des Erträglichen bewusst überschreitet.
Werke:
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Marquis de Sade
Deutsch
23.04.2019
121.21 MB
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