Thomas Morus
Thomas Morus (1478 – 1535)Es ist ausgeschlossen, dass alle Verhältnisse gut sind, solange nicht alle Menschen gut sind, worauf wir ja wohl noch eine hübsche Reihe von Jahren werden warten müssen.
Thomas Morus (englisch Sir Thomas More, latinisiert Thomas Morus) wurde wahrscheinlich am 7. Februar 1478 in London geboren und starb am 6. Juli 1535 ebendort auf dem Schafott. Der Jurist, Staatsmann und Humanist gab mit „Utopia“ einer ganzen literarischen Gattung den Namen und wurde als Märtyrer seines Gewissens zur Symbolfigur.
Als Sohn des Richters John More besuchte er die Lateinschule, diente als Page im Haushalt des Erzbischofs John Morton und studierte zwei Jahre in Oxford, bevor er ab 1496 am Lincoln's Inn die Rechte erlernte. Früh verband ihn eine enge Freundschaft mit Erasmus von Rotterdam, der sein „Lob der Torheit“ in Morus' Haus schrieb und ihm widmete. Aus seiner ersten Ehe mit Joan Colt gingen vier Kinder hervor; die Tochter Margaret Roper galt als eine der gelehrtesten Frauen Englands.
Morus stieg rasch auf: Parlamentsmitglied ab 1504, Undersheriff von London, Mitglied des Kronrats, 1523 Sprecher des Unterhauses, 1529 als erster Laie Lordkanzler Heinrichs VIII. In dieser Zeit verfolgte er die Anhänger der Reformation mit Härte. Als der König seine Ehe annullieren ließ und sich zum Oberhaupt der englischen Kirche erklärte, trat Morus 1532 zurück, verweigerte 1534 den Suprematseid, wurde im Tower eingekerkert und wegen Hochverrats enthauptet.
„Utopia“ (1516), lateinisch in Löwen erschienen, entwirft in Form eines Reiseberichts eine Inselrepublik ohne Privateigentum und mit religiöser Toleranz, zugleich eine scharfe Kritik an den sozialen Zuständen Englands. Daneben hinterließ er eine Geschichte Richards III., Streitschriften gegen Luther und Tyndale sowie im Tower verfasste Trostschriften; ins Deutsche wurde „Utopia“ seit dem 16. Jahrhundert immer wieder neu übersetzt.
1886 selig- und 1935 heiliggesprochen, 2000 zum Patron der Politiker erklärt, bleibt Morus eine umstrittene Gestalt: Für die einen der standhafte Gewissenstäter aus Robert Bolts „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“, für andere der unnachgiebige Ketzerverfolger, wie ihn Hilary Mantel in „Wölfe“ zeichnet. Sein Begriff der Utopie prägt das politische Denken bis heute.
Werke:
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Thomas Morus
Deutsch
01.07.2015
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