Walter Serner
Walter Serner (1889 – 1942)Weltanschauungen sind Vokabelmischungen.
Walter Serner (geboren als Walter Eduard Seligmann) wurde am 15. Jänner 1889 in Karlsbad in Böhmen geboren und starb am 23. August 1942 im Wald von Biķernieki bei Riga. Er war Mitbegründer des Zürcher Dadaismus, Verfasser eines der radikalsten Manifeste der Avantgarde und zugleich ein Meister der kühlen, lakonischen Kriminal- und Hochstaplergeschichte.
Serner stammte aus einer jüdischen Familie; sein Vater gab die „Karlsbader Zeitung“ heraus. Nach der Matura 1909 trat er zum Katholizismus über und nahm den Namen Serner an. Er studierte Rechtswissenschaft in Wien und wurde 1913 in Greifswald promoviert. Ab 1912 lebte er in Berlin und schrieb für Franz Pfemferts Zeitschrift „Die Aktion“.
1914 half er dem Schriftsteller Franz Jung mit einem ärztlichen Attest, sich dem Kriegsdienst zu entziehen, und ging selbst in die Schweiz. In Zürich gab er die Zeitschriften „Der Mistral“ und „Sirius“ heraus und wurde zur Schlüsselfigur der dadaistischen Soiréen; 1919 endete ein Auftritt im Saal zur Kaufleuten in einem Tumult. In dieser Zeit entstand „Letzte Lockerung. Manifest Dada“ (1920), eine Abrechnung mit allen Weltanschauungen, deren Nihilismus bis heute irritiert.
Nach dem Ende von Dada wandte sich Serner der Erzählung zu. In rascher Folge erschienen „Zum blauen Affen“ (1921), „Der elfte Finger“ (1923), „Der Pfiff um die Ecke“ (1925) und „Die tückische Straße“ (1926), Geschichten von Gaunern, Kokotten und Hochstaplern in den Halbwelten europäischer Großstädte. Der Roman „Die Tigerin“ (1925) wurde als unzüchtig angezeigt; ein Gutachten Alfred Döblins bewahrte ihn vor der Beschlagnahme.
Nach antisemitischen Angriffen zog sich Serner 1927 aus der Öffentlichkeit zurück und lebte an wechselnden Orten in Westeuropa, zuletzt in Prag, wo er 1938 Dorothea Herz heiratete. Seine Bücher standen in Deutschland auf den Listen des verbotenen Schrifttums. Im August 1942 wurde das Ehepaar über Theresienstadt nach Riga deportiert und dort ermordet.
Serners Werk war jahrzehntelang verschollen, bis Thomas Milch ab 1979 eine Gesamtausgabe erarbeitete. Seither gilt er als einer der originellsten Prosaisten der Zwischenkriegszeit; seine Geschichten werden neu aufgelegt, verfilmt und als Hörspiele bearbeitet.
Werke:
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Walter Serner
Deutsch
06.08.2014
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