Ödön von Horváth
Ödön von Horváth (1901 – 1938)Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit.
Ödön von Horváth (eigentlich Edmund Josef von Horváth) wurde am 9. Dezember 1901 in Sušak bei Fiume, dem heutigen Rijeka, geboren und starb am 1. Juni 1938 in Paris. Der Dramatiker und Erzähler erneuerte das Volksstück.
Als Sohn eines Diplomaten aus dem ungarischen Kleinadel wuchs er in Belgrad, Budapest, München und Pressburg auf; Deutsch lernte er erst als Jugendlicher und nannte sich selbst eine „typisch altösterreichisch-ungarische Mischung“. 1919 legte er in Wien die Matura ab und studierte in München Germanistik und Theaterwissenschaft, ohne Abschluss.
Von 1924 an lebte er abwechselnd im Haus der Eltern in Murnau und in Berlin. Nach dem Erstling „Revolte auf Côte 3018“ (1927) und „Sladek“ (1929) folgten rasch die Stücke, die seinen Ruhm begründeten: „Italienische Nacht“ (1931), „Geschichten aus dem Wiener Wald“ (1931), für die er den Kleist-Preis erhielt, „Kasimir und Karoline“ (1932) und „Glaube Liebe Hoffnung“ (1932). Dazwischen erschien der Roman „Der ewige Spießer“ (1930).
Horváths Figuren sprechen einen „Bildungsjargon“, in dem sich die Lüge des Kleinbürgertums entlarvt; er selbst nannte seine Absicht die „Demaskierung des Bewußtseins“. Nach einer SA-Hausdurchsuchung in Murnau verließ er 1933 Deutschland, lebte in Wien und Henndorf bei Salzburg und schrieb im Exil die Romane „Jugend ohne Gott“ (1937) und „Ein Kind unserer Zeit“ (1938), die den Zugriff der Diktatur auf eine ganze Generation festhalten.
Nach dem Anschluss Österreichs floh er über Budapest und Zürich nach Paris, wo ihn auf den Champs-Élysées bei einem Gewitter ein herabstürzender Ast erschlug. Seit den späten 1960er Jahren werden seine Stücke wieder auf allen deutschsprachigen Bühnen gespielt; 1988 wurden seine Gebeine nach Wien auf den Heiligenstädter Friedhof überführt.
Bild: unbekannt (1919), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Werke:
|
Ödön von Horváth
Deutsch
19.09.2016
519 KB
117
13.017