- Details
- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Montag, 03. November 2025

„Die Gemsjagd! – Welchen eigenen Zauber nur das Wort allein auf mich ausübt!“ So beginnt Friedrich Gerstäcker 1857 sein Buch über die Jagd in den Tiroler Bergen, und so ungefähr klingt es, wenn am 3. November, dem Hubertustag, in Österreich und Bayern die Jagdhörner in den Kirchen spielen. Über manchem Altar hängt dann der Hirsch mit dem Kreuz im Geweih. Die Legende dahinter ist eine der schönsten des Mittelalters – und sie handelt weniger vom Jagen als vom Aufhören.
Hubertus, ein fränkischer Adliger des 7. Jahrhunderts, reitet an einem Karfreitag zur Jagd, während die anderen in der Kirche sind. Im Wald der Ardennen stellt er einen Hirsch, und zwischen dessen Geweihstangen leuchtet ein Kreuz. Eine Stimme fragt: „Hubertus, warum jagst du mich?“ Der Jäger fällt auf die Knie, gibt Besitz und Rang auf, wird Schüler des Bischofs Lambert von Maastricht, später selbst Bischof von Lüttich, und stirbt 727.
Der Patron der Jäger ist der Mann, der aufgehört hat
Die Hirschgeschichte wurde Hubertus erst Jahrhunderte später zugeschrieben – ursprünglich erzählte man sie vom heiligen Eustachius. Aber sie passte so gut, dass sie blieb: Hubertus ist bis heute der Patron der Jäger, und die Hubertusjagd im November ist traditionell die letzte des Jahres. Das Paradox ist gewollt. Der Schutzheilige der Jagd ist ein Jäger, der das Gewehr – oder damals den Speer – weggelegt hat. Wer am Hubertustag das Horn hört, feiert beides: die Jagd und ihr Ende, das Maß, das sie braucht.
Die Literatur des 19. Jahrhunderts kennt denselben Moment. Gerstäcker, der Weltreisende, der sonst von Südamerika und Australien erzählt, schreibt in „Eine Gemsjagd in Tyrol“ über Tage im Gebirge, an denen die Beute nebensächlich wird, weil die Berge wichtiger sind. Und Peter Rosegger, der in der steirischen Waldheimat als Sohn eines Bergbauern aufwuchs, erzählt vom Wald als Zuhause, in dem Mensch und Tier nebeneinander leben – bei ihm wird nicht gejagt, sondern gelebt.
Gerstäcker in den Bergen
Aus dem ersten Kapitel „In die Alpen“:
Kaum nehme ich die Feder in die Hand, und lasse die Erinnerung zurückschweifen zu jenem wilden fröhlichen Leben, so tauchen auch schon die grimmen Berge in all ihrer Pracht und Herrlichkeit empor. Wieder sehe ich jene schroffen Kuppen und Joche, jene Schluchten und Wände hoch über mir emporragen – unter mir in schwindelnder Tiefe liegen – wieder höre ich in weiter Ferne das Donnern der Lawinen, das Prasseln der aufgescheuchten Gemsen auf dem lockeren Geröll der Reißen, und wie mit einem jähen Schlag steht plötzlich jene wunderbare Welt in ihrer ganzen Pracht und Größe bewältigend um mich her.
Das ist kein Jagdbericht, das ist Heimweh – und Gerstäcker war Hamburger.
Die Ausgaben bei Zulu
„Eine Gemsjagd in Tyrol“ liegt mit den 34 Illustrationen und 12 Lithographien der Originalausgabe nach Zeichnungen von C. Trost vor – ein schönes Beispiel dafür, wie ein Buch des 19. Jahrhunderts aussah, in alter Rechtschreibung. Roseggers „Waldheimat. Erinnerungen aus der Jugendzeit“ enthält den ersten Band mit Geschichten wie „Vom Urgroßvater, der auf der Tanne saß“ und „Als ich den Himmlischen Altäre gebaut“ – Rosegger im Dialekt seines Herzens, aber lesbar.
In seinem autobiographisch grundierten Werk Waldheimat. Erinnerungen aus der Jugendzeit entfaltet Peter Rosegger ein vielschichtiges Bild seiner Kindheit und Jugend im alpenländischen Bergbauernmilieu: Ein Knabe wächst in entlegener Waldheimat auf, zwischen Tannen, Hochmatten und bäuerlicher Einfachheit — und wird zum Dichter.
Die .... Weiterlesen... | |
Lesepfad
Wer nach der „Gemsjagd“ wissen will, wie derselbe Mann vom anderen Ende der Welt erzählt, findet bei Zulu seine „Fliegenden Blätter“, darunter „Die neu entdeckten Goldminen bei Adelaide“. Und wer nach Rosegger in den Bergen bleiben will, wechselt von der Steiermark in die Schweizer Alpen: Johanna Spyris „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ – auch dort ist der Berg ein Zuhause und keine Kulisse.
Der Lesepfad: Eine Zusammenfassung der Fliegende Blätter und des illustrierten Dorfbarbiers mit zahlreichen schönen Illustrationen.
Inhaltsverzeichnis:
Die neu entdeckten Goldminen bei Adelaide
Curtis Brautfahrt
Das Luftbad
Der Freischütz
Der Rehbock
Der todte Consul
Die Puppe
Die .... Weiterlesen... | |
Wer kennt sie nicht, den Alm-Öhi, den Geißen-Peter, Tante Dete und die arme Klara in Frankfurt und natürlich – Heidi. Die legendäre Geschichte des kleinen Mädchens, das glücklich bei seinem Großvater auf der Alp lebt, bis es in die große Stadt Frankfurt geholt wird – auch nach über hundert Jahren immer wieder lesenswert, unterhaltsam und bewegend. Weiterlesen... | |
Lesermeinungen