Notre-Dame in Paris – Das Buch, das eine Kathedrale rettete
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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Dienstag, 16. April 2019
Victor Hugo fand das Wort, so erzählt er in seinem Vorwort, in einem dunklen Winkel eines Turms von Notre-Dame, mit der Hand in die Mauer gegraben, in griechischen Buchstaben: ΑΝΑΓΚΗ – Verhängnis. Als er wiederkam, war es übertüncht. „Gerade über dieses Wort ist vorliegendes Buch geschrieben worden.“ Das war im März 1831. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Kathedrale ein verfallener Bau, dem der Abriss drohte; dass sie heute steht, verdankt sie zu einem guten Teil diesem Roman.Als am 15. April 2019 der Dachstuhl brannte, griffen viele wieder zu ihm, und 2024 wurde die Kirche neu eröffnet. Der deutsche Titel „Der Glöckner von Notre-Dame“ verengt das Buch auf seine rührendste Figur; im Original heißt es „Notre-Dame de Paris“, und so heißt auch die Übersetzung, die bei Zulu liegt.
Die Hauptfigur ist aus Stein
Quasimodo, der taube Glöckner, Esmeralda, die Tänzerin, Frollo, der Priester, der sie begehrt, Phoebus, der Offizier, den sie liebt – das ist die Handlung, und sie endet schlecht für alle. Aber Hugo unterbricht sie für ein ganzes Buch über die Architektur von Paris und für ein Kapitel mit dem Titel „Dies wird jenes vernichten“: Das gedruckte Buch wird das Gebäude vertilgen, die Buchdruckerkunst die Baukunst. Bis Gutenberg, so Hugos Idee, hat die Menschheit ihr Gedächtnis in Steine geschrieben; seither schreibt sie es auf Papier, und die Kathedralen verfallen, weil niemand mehr in ihnen liest.Der Roman ist also ein Plädoyer: Lest die Gebäude, bevor sie weg sind. Es hat gewirkt. Die Restaurierung von Notre-Dame begann 1844, Viollet-le-Duc gab ihr den Vierungsturm, der 2019 brannte – ein Turm, den es ohne Hugos Buch nicht gegeben hätte.
Ein Priester sieht die Zukunft
Der Archidiakon Frollo steht vor dem ersten gedruckten Buch, das ihm jemand gebracht hat, und blickt zur Kathedrale hinüber:Der Archidiaconus betrachtete das Riesengebäude eine Zeit lang schweigend, dann streckte er mit einem Seufzer die rechte Hand nach dem gedruckten Buche, welches geöffnet auf dem Tische lag, die linke nach der Notre-Damekirche aus und sagte, während er einen traurigen Blick vom Buche zur Kirche hinüberschweifen ließ: »Wehe! dies wird jenes vernichten.«Hugo braucht danach zwanzig Seiten, um den Satz zu erklären. Man kann sie überspringen – und sollte es nicht, denn sie sind der Grund, warum das Buch mehr ist als eine Liebesgeschichte mit Buckligem.
Die Ausgabe bei Zulu
Unsere Fassung ist die Übersetzung von Friedrich Bremer, „nach der letzten Ausgabe neu übersetzt“, erschienen bei Reclam in Leipzig; Bremers Vorwort ist auf Frühjahr 1884 datiert. Er verspricht, „Form und Geist“ des Romans „treu und unverkürzt zu übermitteln“, und hat sich daran gehalten – auch die Architekturkapitel, die andere Übersetzer kürzten, sind vollständig. Die Rechtschreibung ist die der Zeit („Thürme“, „Gothisch“), die Fußnoten des Übersetzers sind übernommen. Rund 340 Seiten in einer Datei.Lesepfad
Wer Hugos Paris von unten mag, liest danach Vidocqs „Landstreicherleben“ – das echte Verbrecherparis, aus dem Hugo seinen Javert nahm. Und wer die Idee vom Buch als Gedächtnis weiterverfolgen will, findet sie bei Thomas Mann und Umberto Eco – die sind allerdings noch nicht gemeinfrei.Das E-Book bei Zulu:
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Der Lesepfad:
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Victor Hugo
Deutsch
16.04.2019
2.32 MB
342
10.881