Marcel Schwob
Marcel Schwob (1867 – 1905)Sieh: jeder Augenblick ist eine Wiege und ein Sarg: auf daß jedes Leben und jedes Sterben dir fremd und neu erscheine.
Marcel Schwob (eigentlich Mayer André Marcel Schwob) wurde am 23. August 1867 in Chaville bei Paris geboren und starb am 26. Februar 1905 in Paris. Der französische Erzähler und Übersetzer gehört zu den eigenwilligsten Stimmen des Symbolismus.
Er stammte aus einer jüdischen Familie elsässischer Herkunft; der Vater leitete in Nantes eine Zeitung, der Onkel Léon Cahun führte ihn früh in alte Sprachen und entlegene Literaturen ein. Schwob besuchte das Lycée Louis-le-Grand, scheiterte an der École normale supérieure und wurde ein Kenner Villons, der Gaunersprache und des elisabethanischen Theaters.
Als Journalist und Übersetzer – Defoe, Stevenson, Shakespeares „Hamlet“ – machte er sich in den Pariser Literatenkreisen einen Namen. Die Erzählbände „Cœur double“ (1891) und „Le Roi au masque d’or“ (1892) verbinden Gelehrsamkeit mit dem Grausamen und Phantastischen. Hinter „Le Livre de Monelle“ (1894; „Das Buch von Monelle“) steht der frühe Tod einer jungen Geliebten; das Werk schwankt zwischen Totenklage und anarchischer Verkündigung des Augenblicks.
„La Croisade des enfants“ (1896; „Der Kinderkreuzzug“) lässt das Ereignis von 1212 in wechselnden Zeugenstimmen erscheinen; „Vies imaginaires“ (1896) erfand die Gattung der erdichteten Lebensbeschreibung neu. Ein chronisches Darmleiden und die Morphiumabhängigkeit zehrten Schwob auf; 1900 heiratete er die Schauspielerin Marguerite Moreno, 1901 reiste er auf Stevensons Spuren bis nach Samoa.
Schwob starb mit 37 Jahren. Alfred Jarry und Paul Valéry widmeten ihm Werke, Jorge Luis Borges nannte ihn als Vorbild seiner „Universalgeschichte der Niedertracht“. Im deutschen Sprachraum machte ihn vor allem Franz Blei bekannt, dessen Übertragung des „Buchs von Monelle“ 1904 im Insel Verlag erschien.
Werke:
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Marcel Schwob
Deutsch
08.05.2019
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