Jom Kippur – Ein Tag, an dem man nicht allein um Vergebung bittet
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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Donnerstag, 02. Oktober 2025
„Die Sünde, die wir begangen unwillkürlich oder willkürlich, und die, welche wir begangen durch Herzensverstockung; die Sünde, die wir begangen aus Unwissenheit, und die, welche wir begangen durch Worte, die unseren Lippen entfahren“ – so beginnt das Al Chet, das lange Sündenbekenntnis von Jom Kippur. Es steht in der Mehrzahl, und das ist kein Zufall: An diesem Tag bekennt niemand nur für sich.Jom Kippur, der Versöhnungstag, ist der höchste Feiertag des Judentums. Er fällt in den September oder Oktober und beschließt die zehn Tage der Umkehr, die mit dem Neujahrsfest Rosch ha-Schana beginnen. Fünfundzwanzig Stunden lang, von Sonnenuntergang bis zum Einbruch der nächsten Nacht, wird gefastet, nicht gearbeitet und gebetet. Bei Zulu liegen die wichtigsten Gebete des Tages in deutscher Übersetzung vor.
Versöhnung ist eine Gemeinschaftsaufgabe
Der Ursprung liegt im Tempeldienst: Einmal im Jahr betrat der Hohepriester das Allerheiligste, um für die Sünden des Volkes Vergebung zu erbitten. Seit der Zerstörung des Tempels ist aus dem Opfer das Gebet geworden. Der Abend beginnt mit dem Kol Nidre, dessen Melodie weit über die Synagoge hinaus bekannt ist; am Tag folgen die Sündenbekenntnisse, und mit der Neïlah, dem Schlussgebet, werden die „Tore des Himmels“ symbolisch geschlossen. Ein Schofarton beendet den Tag.Was Außenstehende oft übersehen: Nach der Überlieferung vergibt Jom Kippur nur, was zwischen Mensch und Gott steht. Was man anderen angetan hat, muss man vorher mit ihnen selbst bereinigen – der Tag setzt also voraus, dass man in den Tagen davor zu Menschen gegangen ist und um Verzeihung gebeten hat. Deshalb das „wir“ im Bekenntnis: Es gibt keine Versöhnung mit dem Himmel ohne die mit dem Nachbarn.
Aus dem Al Chet
Die Übersetzung folgt dem „Rödelheimer Machsor“ des 19. Jahrhunderts, sprachlich behutsam angepasst:O, möge es doch Dein Wille sein, Ewiger unser Gott und Gott unserer Väter, alle unsere Sünden zu vergeben, alle unsere Vergehungen zu verzeihen […]. Die Sünde, die wir begangen unwillkürlich oder willkürlich, und die, welche wir begangen durch Herzensverstockung; die Sünde, die wir begangen aus Unwissenheit, und die, welche wir begangen durch Worte, die unseren Lippen entfahren; die Sünde, die wir begangen öffentlich oder heimlich […]; die Sünde, die wir begangen durch üble Gedanken, und die, welche wir begangen durch Hintergehung des Nächsten.Das Bekenntnis geht das Alphabet entlang, Buchstabe für Buchstabe – in der Übersetzung sieht man das nicht mehr, aber man spürt den Rhythmus.
Die Ausgabe bei Zulu
Die Texte stammen aus den klassischen Machsor-Übersetzungen von Wolf Heidenheim, dem Rödelheimer Drucker und Gelehrten, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts die deutsch-jüdischen Gebetbücher prägte, und wurden von Chajm Guski für talmud.de zusammengestellt und sprachlich angepasst (gemeinfrei, CC0). Zulu hat daraus ein kleines E-Book gemacht: Al Chet, Kol Nidre und die weiteren zentralen Gebete, mit einer kurzen Einleitung. Kein Gebetbuch für den Gottesdienst, sondern ein Lesebuch für alle, die wissen wollen, was an diesem Tag gesprochen wird.Lesepfad
Wer die Welt kennenlernen will, in der diese Gebete gesprochen wurden, liest bei Zulu Joseph Roth – den „Hiob“, falls er einmal bei uns liegt, bis dahin die „Geschichte von der 1002. Nacht“.Das E-Book bei Zulu:
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Der Lesepfad:
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Wolf Heidenheim
Deutsch
02.10.2025
1.53 MB
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