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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Dienstag, 23. April 2019

„Es wäre die Hauptaufgabe der Philosophie, die Mittel aufzudecken, deren sich das Schicksal zur Erreichung seiner Zwecke bedient.“ Mit diesem Satz beginnt ein Roman, der 1791 anonym erschien und seinen Verfasser für den Rest seines Lebens ins Gefängnis und in die Irrenanstalt brachte. Zwei Schwestern, verwaist und mittellos: Juliette wählt das Laster und kommt zu Geld und Ansehen, Justine wählt die Tugend und wird von einem Unglück ins nächste gestoßen.
Donatien Alphonse François de Sade (1740–1814) schrieb die erste Fassung 1787 in der Bastille, die Druckfassung erschien 1791, eine dritte, noch erweiterte 1797. Bei Zulu liegt die erste deutsche Übertragung vor, ein Privatdruck von 1906 – mit hundert Illustrationen aus der Ausgabe von 1797. Nichts für Kinder, nichts für zarte Gemüter.
Sade ist ein Philosoph, der Romane schreibt
Die Gewalt und die sexuellen Szenen sind explizit, und wer das Buch deshalb liest, wird schnell merken, dass sie vor allem eines sind: monoton. Sade interessiert sich nicht für Erotik, sondern für ein Argument. Jeder Schurke, dem Justine in die Hände fällt – Mönche, Richter, Chirurgen, Falschmünzer –, hält ihr einen Vortrag: Die Natur kennt keine Moral, der Stärkere hat immer recht, Tugend ist eine Verabredung der Schwachen. Justine widerspricht, bleibt tugendhaft und wird dafür bestraft, Seite für Seite.
Das ist die Aufklärung, bis an den Punkt getrieben, wo sie unheimlich wird. Rousseau hatte den Menschen von Natur aus gut genannt; Sade antwortet mit einem Roman, in dem die Natur ein Raubtier ist. Die Surrealisten, Georges Bataille und Michel Foucault haben ihn deshalb ernst genommen, nicht wegen der Orgien. Und sein Name steckt bis heute im Wort Sadismus.
Das Programm

Sade sagt auf den ersten Seiten, was er vorhat. Aus der Einleitung, in der Übersetzung von 1906:
Werden sie nicht mit einiger Berechtigung sagen, daß die Tugend, so schön sie sein mag, der schlechteste Teil ist, denn man ergreifen kann, wenn sie zu schwach ist, um gegen das Laster anzukämpfen […]? Um diese Anschauung zu unterstützen – ein längeres Verschleiern ist unnütz – wollen wir der Oeffentlichkeit die Geschichte der tugendhaften Justine berichten. […] Und aus diesen Gründen werden wir mit der zynischesten Sprache, den unsittlichsten und gottlosesten Ideen das Verbrechen beschreiben, wie es ist.
„Das Verbrechen beschreiben, wie es ist“ – Sade beansprucht Realismus, zwanzig Jahre vor Stendhal und sechzig vor Zola. Ob man ihm das glaubt, ist eine andere Frage.
Die Ausgabe bei Zulu

„Aus dem Französischen zum ersten Male übertragen von Dr. Martin Isenbiel, Privatdruck, 1906“ steht auf der Titelseite – Privatdruck, weil ein regulärer Verlag das Buch im Kaiserreich nicht hätte drucken dürfen. Die Übersetzung folgt der Fassung von 1791 und ist sprachlich ein Dokument ihrer Zeit; wir haben sie nicht geglättet. Die hundert Illustrationen stammen aus der „Nouvelle Justine“ von 1797 und sind so drastisch wie der Text.
Lesepfad
Wer die dunkle Seite der Aufklärung ohne Sades Monotonie lesen will, findet sie bei Zulu in Casanovas Memoiren – dasselbe Jahrhundert, dieselbe Freiheit, aber mit Witz – und in E. T. A. Hoffmanns „Sandmann“.
Das E-Book bei Zulu: Justine oder vom Missgeschick der Tugend / Die Nachteile der Tugend (franz. Originaltitel: Justine ou les Malheurs de la vertu) ist ein Roman des Schriftstellers Marquis de Sade, den er 1787 während seiner Inhaftierung in der Bastille verfasste. Justine und Juliette sind die Töchter eines bankrotten Kaufmanns. Nach dem Tod der nahezu mittellosen Mutter beschließt Juliette, als .... Weiterlesen... | |
Der Lesepfad: Der Sandmann ist eine Erzählung in der Tradition des Kunstmärchens der Schwarzen Romantik (häufig auch als Schauerroman bezeichnet) von E. T. A. Hoffmann, die erstmals 1816 veröffentlicht wurde.
Sie erschien ohne bestimmte Autorenangabe in Berlin, Realschulbuchhandlung, als erste Erzählung in dem Zyklus Nachtstücke. Herausgegeben von dem Verfasser der Fantasiestücke in .... Weiterlesen... | |
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