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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Freitag, 04. Dezember 2015

„Sie kommen aus Afghanistan, wie ich sehe.“ Mit diesem Satz begrüßt ein junger Chemiker im Labor des Bart’s Hospital einen Fremden, dem er gerade vorgestellt wurde, und der Fremde, ein verwundeter Militärarzt namens Watson, wird den Rest seines Lebens damit verbringen, solche Sätze aufzuschreiben. Das ist 1887, in „A Study in Scarlet“, und es ist die Geburt der berühmtesten Zweierbeziehung der Kriminalliteratur.
Arthur Conan Doyle hat Sherlock Holmes in vier Romanen und 56 Erzählungen beschäftigt, von 1887 bis 1927, und ihn zwischendurch an den Reichenbachfall geschickt, weil er ihn loswerden wollte. Zulus Sammelband ist die einzige Stelle, an der man alle sechzig Geschichten in einer Datei bekommt, 47 davon deutsch, 13 englisch, und warum das so ist, erzählt mehr über Holmes auf Deutsch als jeder Klappentext.
Holmes auf Deutsch ist ein Flickenteppich
Die deutschen Holmes-Übersetzungen sind ab 1902 in Stuttgart beim Verlag Robert Lutz erschienen, in der Reihe „Lutz’ Kriminal- und Detektiv-Romane“, bandweise, von wechselnden Übersetzern, und in diesen Bänden hat Holmes bis heute sein deutsches Gesicht. Man merkt es dem Zulu-Band an, und das ist kein Mangel, sondern das Interessante daran. In „Späte Rache“ öffnen sich noch „Thüren“ und man „thut“ etwas, in späteren Geschichten ist die Rechtschreibung von 1901 durch. Aus „A Scandal in Bohemia“ wurde „Skandalgeschichte im Fürstentum O...“, der König von Böhmen war dem Übersetzer um 1900 offenbar zu nah, um ihn beim Namen zu nennen; aus der Baker Street die „Bakerstraße“. Und an einer Stelle hat sich eine Fußnote des Lutz-Verlags in den Text gerettet, die auf „Bd. 20 von Lutz’ Kriminal- und Detektiv-Romane“ verweist. Wer Holmes auf Deutsch liest, liest eine Verlagsgeschichte mit.
Die 13 englischen Geschichten sind die späten: die Erzählungen aus „His Last Bow“ und dem „Case-Book“, die erst in den 1920er Jahren erschienen sind. Für sie gibt es keine deutschen Übersetzungen, deren Übersetzer lang genug tot wären; wer sie deutsch lesen will, muss sie kaufen. Zulu nimmt sie lieber englisch auf, als sie wegzulassen, und sagt es dazu.
Watson sieht ein Experiment, Holmes sieht Afghanistan
Die erste Begegnung, in der Übersetzung des Zulu-Bands. Stamford, ein Bekannter, führt Watson ins Labor, wo ein junger Mann gerade ein Reagens auf Hämoglobin gefunden hat:
„Mein Freund, Doktor Watson – Herr Sherlock Holmes,“ sagte Stamford uns einander vorstellend.
„Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen,“ erwiderte Holmes in herzlichem Ton und mit kräftigem Händedruck. „Sie kommen aus Afghanistan, wie ich sehe.“
Ich blickte ihn verwundert an. „Wieso wissen Sie denn das?“
„O, das thut nichts zur Sache,“ rief er, sich vergnügt die Hände reibend; „ich denke jetzt nur an Hämoglobin. Sicherlich werden Sie die Tragweite meiner Erfindung begreifen.“
Die Auflösung kommt ein Kapitel später: Mediziner, soldatische Haltung, braunes Gesicht und weißes Handgelenk, ein steif gehaltener Arm, also ein englischer Militärarzt, der in den Tropen verwundet wurde, also Afghanistan. Doyle hat diese Technik bei seinem Edinburgher Lehrer Joseph Bell abgeschaut, der Patienten vom Beruf bis zum Heimweg ansah, bevor sie den Mund aufmachten. Das Entscheidende ist aber nicht Holmes, sondern dass Watson es nicht versteht und fragt. Ohne Watson gäbe es keine Erklärung, und ohne Erklärung keinen Leser, der sich beim nächsten Mal selbst versucht.
Die Ausgabe bei Zulu
Die Grundlage des Sammelbands wurde 2012 von mmat1 erstellt und von Zulu aktualisiert und um deutsche und englische Geschichten ergänzt, bis alle sechzig vorhanden waren. Die deutschen Texte stammen aus verschiedenen alten Sammelbänden, und einige mussten aus Rahmenhandlungen herausgelöst werden, die sich die Verlage damals dazuerfunden hatten, um lose Geschichten als Roman verkaufen zu können; wir haben das ohne Gewissensbisse getan, weil an der deutschen Quelle von Werktreue ohnehin keine Rede mehr sein konnte. Es ging darum, den Teil wiederzugeben, der auch im Original steht. Die Werksübersicht am Anfang der Datei nennt zu jeder Geschichte Originaltitel, Jahr und deutschen Titel; wer „Der Mann mit der Schramme“ sucht, findet so „The Man with the Twisted Lip“. Ein Band von sechs Megabyte, Edition Zulu-Ebooks.com; die tanzenden Männchen sind als Bilder enthalten, sonst ist er ohne Illustrationen.
Lesepfad
Holmes hat einen Vater und einen Großvater, und beide liegen bei Zulu. Der Vater ist Poes C. Auguste Dupin, der 1841 in „Die Mordtat in der Rue Morgue“ dieselbe Methode vorführt, ein halbes Jahrhundert vor Holmes. Im Original erklärt Holmes ihn in „A Study in Scarlet“ prompt für überschätzt; in der deutschen „Späten Rache“ des Zulu-Bands fehlt diese Stelle, der alte Übersetzer hat sie gestrichen, ein weiterer Faden im Flickenteppich. Der Großvater ist Vidocq, der echte Pariser Sträfling, der zum Chef der Sûreté wurde: In „Vidocqs Landstreicherleben“ erzählt er es selbst, und in Charles Collins’ „Vidocq, französischer Detektiv“ wird aus ihm schon eine Romanfigur. Wer die drei hintereinander liest, sieht, wie aus einem Polizisten ein Denker wurde.
Das E-Book bei Zulu: Sherlock Holmes ist der Mann für knifflige Fälle. Gleich, ob es um kriminelle Bünde geht, um verschwundene Personen, Staatsgeheimnisse oder unerklärliche Todesfälle Sherlock löst jedes Problem. Assistiert von seinem treuen Freund Dr. Watson, sorgt er mit seiner exzellenten Beobachtungsgabe seit über hundert Jahren bei zahllosen Lesern in aller Welt für Staunen. Arthur Conan Doyle hat die .... Weiterlesen... | |
Der Lesepfad: „In der Finsternis liegt der Schlüssel zur Erkenntnis.“
Die vorliegende Sammelausgabe bringt das gesamte Werk von Edgar Allan Poe in einer lesefreudigen und zugleich literarisch anspruchsvollen Edition zusammen – ein Geschenk an alle Liebhaber der schwarzen Romantik, des makabren Humors und der genialen Verknüpfung von Rätsel, Symbolik und Stil. Poe, der .... Weiterlesen... | |
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