Franz Blei
Franz Blei (1871 – 1942)Die Kafka ist eine sehr selten gesehene prachtvolle mondblaue Maus, die kein Fleisch frißt, sondern sich von bittern Kräutern nährt. Ihr Anblick fasziniert, denn sie hat Menschenaugen.
Franz Blei wurde am 18. Jänner 1871 in Wien geboren und starb am 10. Juli 1942 in Westbury bei New York. Essayist, Übersetzer, Herausgeber und Entdecker – ohne ihn hätte die deutsche Literatur der Moderne einen anderen Anfang genommen.
Der Sohn eines Schuhmachermeisters studierte in Wien, Zürich, Genf und Bern und wurde 1895 zum Doktor der Nationalökonomie promoviert. Statt Wissenschaft wählte er die Literatur: Ab 1900 redigierte er die „Insel“, dann folgten die eigenen, oft kurzlebigen und meist beschlagnahmten Zeitschriften „Der Amethyst“ (1905), „Die Opale“ (1907), „Hyperion“ (1908–1910), „Der lose Vogel“ (1912) und „Summa“ (1917).
Im „Hyperion“ erschienen 1908 die ersten Prosastücke Franz Kafkas; Blei druckte Robert Walser, Carl Sternheim, Max Scheler, den jungen Robert Musil, mit dem er die „Summa“ machte, und förderte Hermann Broch. Als Übersetzer brachte er Wilde, Laclos, Gide, Claudel und Cazottes „Verliebten Teufel“ ins Deutsche; sein „Persischer Dekameron“ versammelt orientalische Erzählungen.
Berühmt wurde er mit dem „Großen Bestiarium der modernen Literatur“ (1920, erweitert 1922), in dem er die Schriftsteller seiner Zeit als Tiere beschreibt – die Kafka als mondblaue Maus, die Hesse als liebliche Waldtaube – mit einer Bosheit, die nur verzeiht, wen sie wirklich liebt. Egon Schiele zeichnete ihn, Hindemith und Zemlinsky vertonten ihn.
1932 zog Blei nach Mallorca; 1933 wurden seine Bücher in Deutschland verbrannt. Der Spanische Bürgerkrieg trieb ihn weiter nach Italien, Südfrankreich und Lissabon, 1941 nach New York, wo er ein Jahr später starb. Wien benannte 1959 eine Gasse nach ihm.
Werke:
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Franz Blei
Deutsch
21.07.2016
22.51 MB
77
13.186