Oscar Wilde (1854 – 1900)Ich kann allem widerstehen, außer der Versuchung.
Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde wurde am 16. Oktober 1854 in Dublin geboren und starb am 30. November 1900 in Paris. Er war der glänzendste Komödienautor und der berühmteste Dandy des späten 19. Jahrhunderts – und das Opfer eines Prozesses, der sein Leben zerstörte.
Der Vater war ein angesehener Augen- und Ohrenarzt, die Mutter schrieb als „Speranza“ Gedichte für die irische Nationalbewegung. Wilde studierte am Trinity College in Dublin und in Oxford, wo er 1878 den Newdigate-Preis für Lyrik gewann und zum Wortführer des Ästhetizismus wurde: Kunst habe keinem Zweck zu dienen außer der Schönheit. 1882 trug er diese Lehre auf einer Vortragsreise durch Nordamerika.
1884 heiratete er Constance Lloyd; zwei Söhne wurden geboren. Für sie schrieb er die Märchen „Der glückliche Prinz“ (1888), daneben entstanden die Erzählung „Das Gespenst von Canterville“ (1887) und sein einziger Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ (1891), eine Parabel über Schönheit, Verführung und Schuld, die als unmoralisch angegriffen wurde. Die Gesellschaftskomödien „Lady Windermeres Fächer“ (1892), „Ein idealer Gatte“ (1895) und „Ernst sein ist alles“ (1895) machten ihn zum gefeiertsten Dramatiker Londons.
Auf dem Höhepunkt des Erfolgs verklagte er den Marquess of Queensberry, den Vater seines Geliebten Lord Alfred Douglas, wegen Verleumdung – und verlor. Im Mai 1895 wurde Wilde wegen „grober Unzucht“ zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. In Reading schrieb er den langen Brief „De Profundis“; nach der Entlassung ging er nach Frankreich und veröffentlichte unter dem Namen Sebastian Melmoth die „Ballade vom Zuchthaus zu Reading“ (1898).
Er starb verarmt in einem Pariser Hotel und liegt auf dem Friedhof Père-Lachaise. Seine Stücke werden ununterbrochen gespielt, seine Aphorismen zitiert; 1995 erhielt er eine Gedenktafel in der Westminster Abbey. Wildes Witz ist nie bloß Pointe – er legt die Heuchelei einer Gesellschaft frei, die ihn am Ende dafür bestrafte.
Werke: Oscar Wildes „Das Gespenst von Canterville“ ist weit mehr als eine klassische Spukgeschichte – es ist ein ironisches Spiel mit Klischees, ein geistreiches Aufeinandertreffen zweier Welten. Die Novelle, 1887 erstmals erschienen, führt den Leser auf das altehrwürdige englische Anwesen Canterville Chase, wo der Geist des unruhigen Sir Simon sein Unwesen treibt. Doch .... Weiterlesen... | |
Mit feiner Ironie und scharfem Witz entfaltet Oscar Wilde in seiner Sammlung Lord Arthur Saviles Verbrechen und andere Geschichten (1887) ein Kaleidoskop menschlicher Eitelkeiten, Abgründe und Absurditäten. Die Titelerzählung – Lord Arthur Saviles Verbrechen – Eine Studie über die Pflicht – ist eine bitter-komische Parabel über das viktorianische Pflichtbewusstsein: Ein .... Weiterlesen... | |
Oscar Wilde – der große Ästhet unter den Erzählern – verwandelt in seinen „Märchen“ das Kindhafte in eine poetische Versuchung der Seele. In zwei Sammlungen, Der glückliche Prinz und andere Märchen (1888) und Ein Granatapfelhaus (1891), entfalten sich insgesamt neun Erzählungen, die voller Mitgefühl, Ironie und moralischer Schönheit glühen: Weiterlesen... | |
Oscar Wilde schuf mit „Das Bildnis des Dorian Gray“ einen der schillerndsten und zugleich verstörendsten Romane der Literaturgeschichte. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, dessen unveränderliche Schönheit zum Symbol seiner Verdammnis wird. Das Gemälde, das sein Freund Basil Hallward von ihm malt, wird zum Spiegel seiner Seele: Es altert, verzerrt und verfinstert sich mit .... Weiterlesen... | |
Oscar Wildes Gesellschaftskomödie „Lady Windermeres Fächer“ (engl. Lady Windermere’s Fan, 1892) ist ein glänzendes Beispiel für den feinen Witz und die messerscharfe Gesellschaftskritik des Autors. In dieser Komödie der Masken, Geheimnisse und gesellschaftlichen Fassaden entfaltet Wilde ein Spiel um Tugend, Schein und moralische Doppelbödigkeit – ein Kaleidoskop der .... Weiterlesen... | |
Oscar Wildes Komödie „Ernst sein ist alles“ (im Original The Importance of Being Earnest, 1895) ist eine der brillantesten Satiren der englischen Literatur. Hinter ihrem heiteren Witz verbirgt sich eine scharfe Kritik an der Heuchelei der viktorianischen Gesellschaft. Schon der Titel ist ein Sprachspiel: „Ernst“ – im Englischen zugleich der Vorname Ernest .. Weiterlesen... | |