Annemarie Schwarzenbach (1908 – 1942)Man sollte sich nie in das Geröll hinaufwagen. Man tut es doch immer wieder.
Annemarie Schwarzenbach, geboren am 23. Mai 1908 in Zürich, gestorben am 15. November 1942 in Sils im Engadin, war eine Schweizer Schriftstellerin, Journalistin und Fotografin. Ihre schmalen, ruhelosen Bücher zwischen Reisebericht und Prosa wurden erst Jahrzehnte nach ihrem Tod wiederentdeckt.
Sie wuchs als Tochter eines der größten Seidenfabrikanten der Welt auf dem Landgut Bocken bei Horgen auf; die Mutter war die Tochter des Schweizer Generals Ulrich Wille. Schwarzenbach studierte Geschichte in Zürich und Paris und wurde 1931 mit einer Arbeit über das Oberengadin im Mittelalter promoviert.
Noch im selben Jahr erschien ihr Debüt „Freunde um Bernhard“ (1931), es folgte die „Lyrische Novelle“ (1933). In Berlin und München schloss sie sich dem Kreis um Erika und Klaus Mann an, mit denen sie die Ablehnung des Nationalsozialismus teilte – ein Bruch mit der eigenen, deutschfreundlichen Familie. In diesen Jahren begann auch ihre Abhängigkeit vom Morphium, gegen die sie bis zuletzt kämpfte.
Von 1933 an reiste Schwarzenbach fast ohne Unterlass: in den Vorderen Orient, nach Persien, in die Sowjetunion, in die USA, 1939 mit Ella Maillart im Auto nach Afghanistan, später in den Kongo. Sie schrieb Hunderte von Reportagen für Schweizer Zeitungen und fotografierte. Aus Persien stammt der Bericht „Winter in Vorderasien“ (1934), und dort spielt auch ihr eindringlichstes Buch „Das glückliche Tal“ (1940), eine Selbstbefragung in der Einöde des Lahr-Tals.
Ein Fahrradunfall im Engadin führte 1942 zu ihrem frühen Tod mit 34 Jahren. Die Mutter vernichtete Tagebücher und Briefe; viele Texte wie „Bei diesem Regen“, „Flucht nach oben“ oder „Eine Frau zu sehen“ erschienen erst ab den 1980er Jahren. Seither gilt Schwarzenbach als eine der eigenständigsten Stimmen der Schweizer Literatur zwischen den Kriegen.
Werke: