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- Kategorie: Zulu Magazin
- Veröffentlicht: Donnerstag, 23. Oktober 2025

Ein Reiter auf einem nordfriesischen Deich, Oktober, Sturm. Etwas fährt lautlos an ihm vorbei – ein Schimmel, ein fliegender Mantel, dann nichts. Im Wirtshaus erzählt er es, und das Gespräch verstummt: „Der Schimmelreiter!“ So beginnt Theodor Storms letzte Novelle, 1888, und so beginnt bei Zulu die Jahreszeit, in der die Literatur ihre Schattenseite zeigt.
Halloween ist bei uns ein importiertes Fest. „All Hallows’ Eve“, der Vorabend von Allerheiligen, galt in Irland als die Nacht, in der die Grenze zwischen den Welten durchlässig wird; irische Auswanderer brachten den Brauch nach Amerika, wo aus Rüben Kürbisse wurden. Aber die Geschichten, die dazu passen, sind alt – und viele von ihnen deutsch.
Das Unheimliche kommt von innen
Die acht Bücher, die wir für diese Nacht ausgesucht haben, haben eines gemeinsam: Das Grauen kommt nicht von außen. Bei Poe ist es das Haus, das zur Psyche wird, bei Shelley das Geschöpf, das niemand wollte, bei Hoffmann der Sandmann, aus dem Freud sein „Unheimliches“ lernte. Gotthelfs schwarze Spinne kriecht aus einem Handschlag mit dem Teufel in ein Emmentaler Dorf, Wildes Porträt altert für seinen Besitzer, Le Fanus Carmilla kommt 25 Jahre vor Dracula und ist eine Frau. Und Storms Deichgraf Hauke Haien, der gegen den Aberglauben seines Dorfes einen neuen Deich baut, reitet nach seinem Tod bei jedem Sturm darüber – das Dorf hat ihn zum Gespenst gemacht, weil es ihn nicht verstanden hat.
Die Begegnung auf dem Deich
Aus der Rahmenerzählung des „Schimmelreiters“:
In Gedanken darüber ritt ich weiter, aber ich hatte nicht lange Zeit zum Denken, schon fuhr es von rückwärts wieder an mir vorbei; mir war, als streifte mich der fliegende Mantel, und die Erscheinung war, wie das erste Mal, lautlos an mir vorübergestoben. Dann sah ich sie fern und ferner vor mir; dann war’s, als säh ich plötzlich ihren Schatten an der Binnenseite des Deiches hinuntergehen. […] Das Wasser war, trotz des schützenden Deiches, auffallend bewegt; der Reiter konnte es nicht getrübt haben; ich sah nichts weiter von ihm.
Storm hat die Novelle im Jahr seines Todes beendet; die Geschichte vom Reiter, der in den Deichbruch springt, hatte er als Kind in einer Zeitschrift gelesen und fünfzig Jahre mit sich getragen.
Acht Bücher für diese Nacht
Alle acht gibt es bei Zulu ohne Anmeldung und ohne Kosten, in jedem Format:
Edgar Allan Poe – „Der Untergang des Hauses Usher“ und alle anderen Erzählungen, in denen ein Haus, ein Herz oder ein Pendel zur Falle wird: „In der Finsternis liegt der Schlüssel zur Erkenntnis.“
Die vorliegende Sammelausgabe bringt das gesamte Werk von Edgar Allan Poe in einer lesefreudigen und zugleich literarisch anspruchsvollen Edition zusammen – ein Geschenk an alle Liebhaber der schwarzen Romantik, des makabren Humors und der genialen Verknüpfung von Rätsel, Symbolik und Stil. Poe, der .... Weiterlesen... | |
Mary Shelley – „Frankenstein“, die Geschichte eines Geschöpfs, das niemand wollte: Mary Shelleys „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ ist weit mehr als eine Gruselgeschichte. Es ist ein zutiefst philosophischer Roman über den Drang des Menschen, Schöpfer zu sein – und über das Scheitern, wenn dieser Drang nicht mit Verantwortung einhergeht. Victor Frankenstein, der junge Wissenschaftler, will Leben erschaffen, will das göttliche Prinzip begreifen und .... Weiterlesen... | |
E. T. A. Hoffmann – „Der Sandmann“, aus dem Freud das Unheimliche lernte: Der Sandmann ist eine Erzählung in der Tradition des Kunstmärchens der Schwarzen Romantik (häufig auch als Schauerroman bezeichnet) von E. T. A. Hoffmann, die erstmals 1816 veröffentlicht wurde.
Sie erschien ohne bestimmte Autorenangabe in Berlin, Realschulbuchhandlung, als erste Erzählung in dem Zyklus Nachtstücke. Herausgegeben von dem Verfasser der Fantasiestücke in .... Weiterlesen... | |
Jeremias Gotthelf – „Die schwarze Spinne“, in der das Böse aus einem Handschlag mit dem Teufel ins Emmental kommt: Die schwarze Spinne ist eine Novelle von Jeremias Gotthelf aus dem Jahr 1842.
Eingebettet in eine idyllisch angelegte Rahmenerzählung werden alte Sagen zu einer gleichnishaften Erzählung über christlich-humanistische Vorstellungen von Gut und Böse verarbeitet. Die Novelle ist unterteilt in die am Anfang auftretende Rahmenhandlung, die jedoch später zur Binnenhandlung .... Weiterlesen... | |
Oscar Wilde – „Das Bildnis des Dorian Gray“, in dem das Porträt altert und der Mensch nicht: Oscar Wilde schuf mit „Das Bildnis des Dorian Gray“ einen der schillerndsten und zugleich verstörendsten Romane der Literaturgeschichte. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, dessen unveränderliche Schönheit zum Symbol seiner Verdammnis wird. Das Gemälde, das sein Freund Basil Hallward von ihm malt, wird zum Spiegel seiner Seele: Es altert, verzerrt und verfinstert sich mit .... Weiterlesen... | |
Sheridan Le Fanu – „Carmilla“, die Vampirin, die 25 Jahre vor Dracula kam: „Ein Kuss kann süßer sein als Blut – und tödlicher.“
Sheridan Le Fanus Carmilla (1872) gilt als eine der frühesten und faszinierendsten Vampirerzählungen der Literaturgeschichte – und als die weibliche Schwester von Bram Stokers Dracula. Die Handlung spielt in der Steiermark, wo die junge Laura mit ihrem Vater in einem .... Weiterlesen... | |
Theodor Storm – „Der Schimmelreiter“, in den Sämtlichen Werken: Zwischen Deich und Gewissen – Storms Wort ist das leise Rauschen des Nordwinds, das nicht vergeht.
Die Sämtlichen Werke Theodor Storms bilden das eindrucksvolle Panorama eines Dichters, der das Genre der Novelle zur höchsten Blüte führte. Sie zeigen den Weg eines Mannes, der zwischen juristischer Pflicht und dichterischer Leidenschaft ein Werk schuf, das von .... Weiterlesen... | |
Hanns Heinz Ewers – „Die Spinne“ und andere seltsame Geschichten, frühe psychologische Schauerliteratur von 1908: Mein Begräbnis und andere seltsame Geschichten (1919) ist ein Kabinett des Phantastischen – eine Sammlung von siebzehn Erzählungen, die zwischen makaberer Groteske, dekadentem Humor und metaphysischem Grauen changieren.
Die eröffnende „Randbemerkung“ wirkt wie ein sarkastischer Prolog: Ewers erklärt sich selbst zum Chronisten des Absonderlichen. .... Weiterlesen... | |
Kerze anzünden, Handy weglegen – und nicht wundern, wenn es im Haus knackt. Happy Halloween.
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